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v. Zimmern einen Brief. Die Ueberschrift hieß: Johann Werner von Zwilch *).Den Brief unterschrieb er: Hans Krampffeder. Dieser Brief lautete: »Meinenfreundlichen Grueß lieber Schwager! Ich lasse Euch wissen, daß ich heute habewollen reuten zu Kais. Majestät, so ich khommen bin biß gen Hundersingen, habich 6 oder 7 Pfervt sehen gegen mir ziehen. Alßbald Inen unter Augen geschikt,und wellen Beschaidt geben, haben sie kainen Beschaidt geben, und von Stund anuff min Knecht abgeschoßen. Da ich das sah, kam ich mein Knecht zu Hilff undsah, das einer vom Leder gerannt. Da haw ich darein, und hab sovil gehandelt,das mir laid ist. Darumb bitt ich Euch, ir wellt thuen, als ich Euch vertrau,und verbrennt den Briefs, alsbald Ir in gelest."
Aus dieser einfachen Erzählung, die gewiß von einem Manne herrührt, dergenau von allen dieser Ermordung vorangegangenen Thatsachen unterrichtet und einFreund der v. Werdenberg war, sehen wir, daß die Ermordung des Gr. Andreasvon Sonnenberg durch den Gr. Felir ein vorsätzlicher Mord war, den letzterer anersterem nach einem tief angelegten Plane aus Rache und zur Wiederherstellung sei-ner tief verletzten Ehre, wie er glaubte, unternahm, daß er aber auch die Schuldeines vorsätzlichen Mordes auf eine zwar unwahre, aber doch scheinbare Weise vonsich abzuwälzen suchte, daß er der angegriffene Theil gewesen sei und er sich nur desRechtes der Vertheidigung bedient habe. Allein diese seine Entschuldigung täuschte,wenigstens in der ganzen Umgegend, in welcher die That geschah, Niemanden. Einallgemeiner Schrei des Entsetzens und Unwillens erscholl. Gr. Christof von Wer-denberg, der gewiß seinen Bruder Felir herzlich liebte, sprach laut seine Mißbilli-gung über diese That aus, indem er gleich den andern Tag nach Scheer an die Ver-wandten des Ermordeten nicht nur ein herzliches Schreiben abgehen ließ, in welchemer seine Unkenntniß, Theilnamlostgkeit und Unschuld an dieser That, zugleich auchseinen Abscheu an derselben bezeugte. Sein allgemein bekannter Charakter, seineRechtlichkeit verliehen auch seinen Worten so viele Glaubwürdigkeit, daß selbst dieFreunde des Grafen Andreas ihn von aller Mitschuld an dem Morde frei sprachen.Mehr Mühe harte Joh. Werner von Zimmern, seine Unschuld glaubwürdig zumachen, da von Wildenstein, seinem Schlosse, der Zug vorbereitet wurde und aus-ging, welcher die Ermordung des Gr. Andreas zur Folge hatte. Als aber auchdieser seine Unschuld unter Darlegung aller Unistände eidlich behauptete, sprach manauch ihn von der Schuld frei, die nun allein auf dem Gr. Felir von Werdenberghaftete. Gegen ihn erhob sich daher die Stimme des Volkes und des Adels mitgroßer Entrüstung. An der Spitze des letzteren standen Wilhelm, Truchseß von
U Wahrscheinlich eine Anspielung auf die gewöhnliche Kleidung, auch selbst noch meh-rerer vom Adel, die zu Hause sich in Zwilch kleideten.