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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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von allen Selten ein. Junge Familien des FaurbourgSt. Germain entsagen den Livreen und den Wappen aufdem Wagenschlag; alte Edelleute spielen auf der Börse mitspanischen Ardoins; fromme Damen suchen für denSohn eine reiche ketzerische Heirath, und ein Mvntmvrencygeht auf den Ball zu Rothschild, aber nicht umgekehrt.

Es ist nicht nur durch die Revolution, es ist auchdurch das innere Zerwürsniß des früheren Adels unmög-lich geworden, fetzt ein neues privilegirtes und in sich ge-gründetes Ganzes aus den Ueberresten zu schaffen. Früherlitt der französische Adel, wie überall wo Deutsche alsEroberer sich festgesetzt hatten, an der beständigen Ver-mischung mit Bürgerlichen. Hieraus entstanden falscheLagen und ungehörige Verwandtschaften. Später ging dieOpposition der öffentlichen Meinung, als deren Vertreterwir noch Lafapette sahen, von ihm aus. Nach den Stür-men der Revolution konnte eine Pairskammer nur einFlötzgebirge, nie aber ein Urgebirge bilden. Auch sie hatdurch ihre Aögerung vor, durch ihre Nachgiebigkeit nachden Juliustagen ihre Entlassung gegeben, und beherrschtdie öffentliche Meinung keineswegs mehr, und dieß mußeine Adelskammer vermögen, wenn sie ihrem Zweck ent-sprechen soll. An der Spitze der öffentlichen Meinungvermag sie alles, gegen diese nichts. Sie muß alle Nota-bilitäten in sich aufnehmen können, ohne sich etwas zuvergeben. Nun haben sich alle Kräfte des Volkes außer-halb der privilegirten Stände entwickelt, daher wir nichtzu viel zu sagen glauben, wenn wir behaupten, daß Parisnie wieder die Hauptstadt des europäischen Adels im altenSinne werden könne.