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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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bewaffnen; daß er nur im letzten Kampfe nach ihm wienach einem Nothanker griff, und auch alsdann ihm mehrmißtraute, als traute, beweist schon für sich allein, wasdieser Mann von Volkswillen und öffentlicher Meinunghielt, während man noch zuweilen versucht, ihn als Mensch-werdung der liberalen Ideen darzustellen.

Der Mittelstand ist sehr zahlreich in Paris, und er-gänzt sich aus den untern Classen, denen die gewerblicheThätigkeit und die Sparcassen nun früher eine unabhän-gige Lage verschaffen, als ehedem; er verschmäht Heirathenseiner Erbinnen mit historischen Namen oder persönlicherAuszeichnung nicht, er sucht sie aber nicht mehr wie ehe-mals und erkauft sie nicht mehr mit Demüthigungen.

Man findet unter ihm sehr viele Provinzialen, undnicht sehr viele alte Bürgerfamilien, was durch die Ge-schichte der letzten fünfzig Jahre sehr leicht zu erklären ist.Die größten Capitalien sind langsam und im Stillen ge-sammelt worden. Es sind vorzüglich die Holzhändler,Fleischer, Victualienvcrkäufer, kurz die, deren Waare dastäglich wiederkehrende Bedürfniß zu befriedigen hat, welcheam frühesten sich ein hinlängliches Capital sammeln, wo-von sie als Rentiers leben können. Dieses ist der Hinter-grund ihres Lebensbildes, und bis die Söhne erzogen, dieTöchter ausgesteuert sind, bis das kleine Appartement zier-lich möblirt und die Frau so gekleidet ist, wie es sich ge-bührt; bis man außer dem Scheine des Mberfluffes sichauch in Wirklichkeit etwas zu gut thun kann, muß freilichschon viel Geld verdient, vieler unvermeidliche Verlustübertragen, aber der Keim des Höheren meist durch dasmaterielle Treiben des Tags zerstört worden sey. Dennochsind die Rentiers unserer Tage um viele Stufen hoher als