Buch 
Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
Seite
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selbst sie sind genöthigt, eine Art von Marktschreierei zu-weilen zu üben, einzig daß man sie anhöre, nicht vergesse,oder sich von ihren Stredungen durch eigenen Anblick über-zeuge. Nur erst seit wenigen Jahren bat man sich denSatz recht deutlich gemacht, daß die größte Ersparniß inder Ablösung des Passivcapitals der Armuth, d. h. in Er-ziehung der Kinder der Armen zu rechtlichem Erwerb, liege.

Die Lotterien und Verkaufsausstellungen von weib-lichen Arbeiten, wo die elegantesten Damen feil haben undmit der lieblichsten Suade so theuer als möglich verkaufen;die Bälle zum Besten der Armen, die Millionen, welchedie Stadt Paris für diese Zwecke alljährlich aufbringt, sindfür die mit der Gewerbthätigkeit so schnell anwachsendeBevölkerung nicht zureichend, denn die jetzt arbeitendeGeneration hat noch nicht die Vortheile der Erziehunggenossen, welche der nachwachsenden zn Theil wird, unddie Schwankungen im gewerblichen Leben seit 18L0, dieCholeraseuche und das Aufhören vieler im altkatholischcnSinne gegebenen Almosen der alten Civilliste werden indieser Beziehung schmerzlich gefühlt.

Es ist nicht nur Pflicht der Menschenfreunde, es wirdPflicht für alle, welche die Fortdauer eines geordnetengesellschaftlichen Zustandes wollen, und dagegen das Ein-dringen einer neuen Barbarei nicht wollen, aus allenKräften an der sittlichen und physischen Besserung deruntern Classen des Volks zu arbeiten, denn die Achtungfür das historische Recht, für die Dogmen aller Kirchenhält diese nicht mehr, und die öffentliche Meinung und*die politische Erziehung hält sie noch nicht vollständig; undzudem hat man von allen Seiten gerade dieser Classe ammeisten geschmeichelt, sie am anhaltendsten bearbeitet, um