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diese Kälte der Trübsal eben so wirken werde, wie einFeuer der Trübsal, wird die Zeit lehren.
In den Kirchen erblickt man zehn Frauen auf einenMann. Die Kirchen find seit sechs Jahren in halberWiederherstellung stehen geblieben. Das Betragen desPublikums ist anständig, ungefähr wie in deutschen katho-lischen Kirchen. An Fasten und andere Gebote der Kirchekehrt sich beinahe niemand mehr. Viele junge Leute,welche ihre erste Communion machten, beichteten nichtvorher.
Die Jansenisten sind durch Verschwinden des Gegen-drucks der Jesuiten und durch die öffentliche Duldung desProtestantismus, von welchem sie eigentlich eine hybrideAusgeburt waren, in den Schatten zurückgetreten; ihreGrundsätze leben zwar noch unter Vielen, besonders unterälteren Geistlichen, aber die Lage des Clerus überhauptmacht seinen Gliedern zur Pflicht, vor der Hand die Ver-schiedenheit der Denkart einzelner Mitglieder mit demMantel der Liebe zuzudecken, weil die Zeiten eine offeneFehde beider Hauptparteien nicht ertragen würden, ohneUntergang des Ganzen.
Aus dem Jansenismus scheinen die zwei nun getrenn-ten Kirchen der Abbe's Chätel und Auzon hervorgegangenzu seyn. Jener neigt sich einer Art Theophilanthropie, die- 'ser der Form zu, welche die Wessenbergische Schule inDeutschland einzuführen gedachte. Trotz des häufigenUmziehens sind die Capellen dieser Schismatiker sehr be-sucht; sie taufen und trauen unentgeltlich und haltenNapoleon jedes Jahr eine Todtenmesse.
Wenn die genannten Abbss, die Saintsimonisten,welche beinahe gänzlich verschollen sind, und die Templer