8S
Patentirte Bettler, wie man sie leider überall in Frank-reich, nnd schon in Versailles trifft, werden in Paris nichtgesehen. Es sind auch die verhüllten Mütter mit male-risch gruppirten Kindern, welche Abends an Orten knieten,wo sie vor Wagen sicher waren, und die gutgekleidetenAlten, welche dreist als psuvreg Iiomvm bettelten, ver-schwunden. Dagegen hat sich eine neue Zwittergattungvon Bettlern und Kaufleuten gebildet; sie verkaufen Steck-nadeln, Zahnstocher, Schwefelhölzer, und bieten sie schwei-gend mit einer Miene an, welche den eigentlichen Zweckerrathen läßt. Wieder ein nicht unbedeutendes Zeichen derNeuzeit!
Die vornehmen und intrikanten Bettler, welche wohlbrieflich um Audienz bitten, oder mit einer langen Ge-schichte beginnen, um am Ende mit einem Franken abge-fertigt zu werden, die, welche auf die anolei>i,e liste civilebetteln, und die, welche vorzugsweise ihre Nation als Ver-triebene oder Verfolgte auszubeuten streben, scheinen vonJahr zu Jahr weniger gute Geschäfte zu machen, dennauch der Reichste muß in Paris scharf rechnen; die Ansicht,daß das Almosen nur Ergänzung der möglichst angestreng-ten Arbeit zu Befriedigung der nothwendigsten Lebens-zwecke seyn solle, wird immer verbreiteter, und mit derausgedehnteren Verbreitung der Geistesbildung kömmtnothwendig die reine Gefühlsbarmherzigkeit in den Hinter-grund.
Es scheint, daß die Pariser nun ungleich weniger eitel,aber ungleich stolzer seyen, als ehemals, und das Bettelndaher, wie auch das Livreetragen, für schimpflicher gehaltenwerde als vordem. Die Weise, sich der Zudringlichen zuentledigen, ist, gar keine Notiz von ihnen zu nehmen.