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Nach meiner vollen Ueberzeugung schadet der weiteren,ja der weitesten Ausbreitung des Protestantismus inFrankreich besonders der Umstand, daß die höheren Ständezu wenig glauben, zu wenig religiöses Bedürfniß fühlen,um sich zu ihm zu bekennen. Vielleicht würde ein Unita-rianismus mit sinnigen Riten das meiste Glück machen.So viel scheint unbezweifelt, daß das kürzlich wieder er-wachende religiöse Gefühl die Franzosen nicht mehr zumjetzigen Katholizismus zurückführen werde.
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Bettler.
So sehr Manche die Vorzüge der guten alten Zeitherausstreichen, so wird doch nicht leicht einer Lobrednerder Bettelei werden wollen, wie sie in Paris vor der Re-volution getrieben, und durch Klostersuppen und Almosengenährt wurde, welche jedem, der Dreistigkeit genug besaß,zu Theil wurden. Da jetzt nach Möglichkeit für Beschäf-tigung der Bedürftigen gesorgt wird, und da die stetswachsende Industrie jedem, welcher arbeiten will, wenig-stens spärliche Nahrung beut, so hat die Polizei gewiß dasRecht, den Haus - und Straßenbettel zu verbieten. Nureinige wenige Blinde haben auf den Brücken, wo manunentgeltlich passiren kann, und an denen, welche den Ge-brauch bezahlen lassen, wo man also ohnehin in die Taschegreift, ihre bestimmte regelmäßige Stelle, ermüden abermehr wie ehemals, mit Geschrei und Geheul die Vorüber-gehenden. Andern wird Drehorgel oder Flagevlet gestattet.