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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
Seite
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Weise eingeführt; da aber die Bauern nm Paris wenigerRücksicht auf die gute Gesellschaft nahmen, als die Briten,so gab es mancherlei Verdruß dabei. Kleine Treibjagenund Pürschen in den zahlreichen Parken um Paris, Fischen,in welchem die sonst so beweglichen Pariser eine wahreEngelsgeduld üben, Abends Unterhaltung am bereitsflackernden Caminfeuer, selten Entwicklung eines großenLurus bei besonders gebetenen Partieen, dieses ist unge-fähr das Bezeichnende für die Villeggiatur der höhernStände, welche bis zum Eintritt der ernsthaften Kältedauert.

Der wohlhabende Mittelstand hat ebenfalls seine Land-häuser, bezieht diese sobald Wetter und so oft Geschäftees erlauben. Für Manchen ist es Ersparniß, sechs Monateauf dem Lande zuzubringen, besonders wenn die Familieviele weibliche Mitglieder zählt, deren Toilette bedeutendweniger auf dem Lande kostet, als in der Stadt. Mancheziehen in neuester Zeit ein Bad vor, und Baden wirdgewiß von Jahr zu Jahr häufiger von Franzosen besuchtwerden, denn außer den entfernten Pprenäenbädern hatsich noch kein französisches Bad auf die Höhe der erstendeutschen heben können, welche für beschränkte Wohlhaben-heit eine Art Gesammtvillegiatnr bilden, und den kurzenSommer vergnüglich, ohne zu große Kosten und in ange-nehmerer Gesellschaft vollbringen lassen, als selbst der Win-ter in deutschen Städten beut, der Aussicht auf Versor-gung der Töchter, der Gesundheitsrücksichten und des nurdort geduldeten Glücksspieles nicht zu gedeuken. Das deut-sche Badeleben ist eine schöne und höchst bedeutende Seitedes deutschen geselligen Lebens.

Die Mittelclasse miethet wohl in der Umgegend von