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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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nicht mehr an der Zeit. DaS Volk will würdig genießenund mit Rücksichten behandelt seyn. Das einzige eigent-liche Volksfest im Jahre ist das der Julinstage, statt wel-cher vielleicht zweckmäßiger das Fest der Einnahme derBastille gefeiert werden könnte. Die Volksfeste wurden,wie, nur zu bekannt ist, im Jahr t8Z5 durch Fieschi'öAttentat unterbrochen. Im Jahre 18 Z 4 bestanden sie inAufführnng von Volksstücken und Spectakeln in den cly-säischen Feldern, Glückshäfen und andern Spielen, zu wel-chen die Behörden einen Zuschuß gaben, oder sie ganz un-entgeltlich sehen und genießen ließen. Musiken waren allerOrten vertheilt. Für Speise und Trank war reichlich ge-sorgt, es ging sehr fröhlich zu, aber über Erwarten manier-lich. Ein Feuerwerk, geschmackvoll angeordnet, aber nichtmit der Reichlichkeit und einzig schönen Oertlichkeit derRömischen ausgestattet, wurde zum Schlüsse, trotz einesbeispiellosen Platzregens, abgebrannt.

Die Beleuchtungen an festlichen Lagen beschränken sichauf öffentliche Gebäude, sind sehr sparsam eingerichtet undbieten, außer der des Tuileriengartens, keinen besondersschönen Anblick dar; bei dieser ward aber die Lust durchden Gestank des Fettes in den Lampen verpestet.

Die allgemeinste der Volksbelustigungen der Pariserist der Fasching, welcher durch Bälle, Schmausereien, denfetten Ochsen und Mummenschanz gefeiert wird; es istaber trotz seiner auffallend aufsteigenden Bewegung seitder Cholera dennoch kein rechtes Leben, keine gehörig rolleLaune darin, denn Bekannte kann man nicht erkennen,weil man sie im ungeheuren Gewirre nicht, trifft, oderdoch nicht festhalten kann, zu vielen Späßen ist das Wet-ter zu kalt, und auf den Maskenbällen nimmt der starke