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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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alten Dorfe Grenelle und der Seine ein unfruchtbaresFeld zu erwerben und es in eine ländliche Vorstadt, ineinen Wohnort für wohlhabende Familien umzusthaffen.Der Plan war sehr grandios. Eine Brücke über die Seineauf einer, das Dorf Grenelle auf der andern Seite, wur-den durch die Hauptstraße des neuen Dorfes in Verbin-dung gesetzt, ein Platz mit einer Kirche in curiosem Stylmit halbgothischem Thurme zierte die Mitte, Querstraßenwurden abgestochen, und vor allem benamt. Nun entstan-den Häuser für Eine Familie, Gärtchen wurden gepflanztman harrte der Käufer, aber diese kamen nicht, denn dieGegend umher ist öde und baumlos, die Wege werden beidem kleinsten Regen sogleich beinahe unbrauchbar, undman hat weit durch noch Häuserleere Straßen der Stadtzu wandern, ehe man an die Barriere kömmt, welche zumneuen Dorfe führt. Die neue Ansiedelung hat also vieleangefangene und stehengebliebene Häuser, weniger Leben,beinahe keine Buden, und die leichtgebauten Häuser zeigenschon hie und da Spuren des Verfalls. Die Berlinerwußten ihre Sandwüsten klüger in angebaute Vorstädtemnzuschaffen, sie begannen mit Abdämmung von Land-straßen. Der Unternehmer verlor an dieser Speculationsein großes Vermögen, aber wenn die Häuser so langeaushalten, so kann in zwanzig Jahren das neue Dorf einrecht angenehmer Aufenthalt für Geschäftsleute werdenwelche 6-8 Stunden in Paris zu thun haben, aber denübrigen Theil des Tages in freier Luft und Gärtchen, fernvon Lärm und Gestank der Stadt zubringen wollen, wieman deren unzählige in der Nähe von London trifft.Aber die Dörfer um London bildeten sich von sich selbst,und boten schon alle Bequemlichkeiten des täglichen Lebens