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Ei n s a m k e i t.
Nirgends ist der Mensch einsamer als im Gedränge,und der Reisende wird daher im Treiben der großen Stadtzuweilen von einem unheimlichen Gefühl befallen, welcheser vergebens zu bemeistern strebt. Mir wenigstens tratoft das Bild eines sehr werthen Bekannten entgegen, wel-cher in einem Gasthanse vom Schlage gerührt niederfiel,und auf die Morgue gebracht worden wäre, wenn mannicht im Hute die Adresse des Hutmachers gefunden hätte,dieser gerufen worden und ihn erkannt hätte; und der Todteivar ein geachteter Diplomat und berühmter Hellenist.
Diese Morgue ist ein am Fluß erbautes Haus, inwelchem die aufgefundenen und unerkannten Todten hin-ter Fenstern zur Schau ausgestellt und die Kleidungsstückehinter ihnen aufgehängt sind- Sie gewahrt mit dengrößtentheils aus dem Netze bei St. Cloud hergebrachtenLeichnamen einen furchtbaren Anblick. Zum Glück hindertdas Fenster ähnliche Eindrücke auf den Geruchsinn. Oftkann man ergreifende Erkennungsfcenen an dieser Stelleerblicken, und um dieses Quartier vorzugsweise zum Auf-enthalt zu wählen, müßte man Lord Byrons Stimmungin sich fühlen.
Wenn Eltern mit Kindern an Orte gehen, wo Ge-dränge vorauszusehen ist, so lassen sie diese ihre Namen,Straße und Hausnummer wiederholen. Sogar im Tui-leriengarten gehen Kinder zuweilen verloren, doch kam inmehr als zwei Jahren nur Ein Fall von einem Kinder-