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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
Seite
298
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raub aus Eigennutz um die zur Wieberbringung aus-gesetzte Prämie zu erhäschen vor.

Man kann erkranken, lange liegen, hülflos und ver-lassen, ohne daß die besten Bekannten im Getreibe desLebens dieses ahnen können, bis es zu lange währt, unddiese wegen des langen Nichtsehens sich entschließen nach-zufragen.

Die Ermordung, Beraubung und versuchte Verbren-nung der Cheleute Mass gibt ein schauerliches Bild diesesAlleinstehend, die Unthat war aber nur durch Mirwirkungdes Portiers möglich. Dagegen war eine Alte bereits ver-fault, als man ihr Gemach erbrach, welches in einemHause war, das keinen Portier hatte.

Sollte eine deutsche Stadt von der Größe von Parissich bilden, was wir nicht wünschen wollen, so würde be-stimmt bald eine Gesellschaft von Hagestolzen sich bilden,besonders von Gelehrten, um, unter vernünftigen Haus-regeln vereinigt, zu Wechselsweiser Hülfe beisammen zuleben. Au Paris, wo durch die Revolution das atomisti-sche System auf seine Spitze getrieben wurde, wäre einsolches Haus zwar schwieriger zu errichten und zu erhal-ten, jedoch nicht unmöglich, nur müßten die Errichter keineFinanzspeculation für sich allein bezwecken. Am Abhängedes Montmartre, hinter der Kirche, ist ein unbebauterRaum, in welchen meine Einbildungskraft eine nach denAeitbedürfnissen umgebildete Congregation von St. Maurzu bauen liebt.

Auch Männer, welche vieler Bekanntschaften in Parissich erfreuen, können oft die Erfahrung machen, wie wenigman den Abwesenden vermisse, wie schnell man ihn ersetzeund vergesse. Sie waren Monate lang abwesend, niemand