Band 
[Erster und zweiter Band.]
Seite
55
JPEG-Download
 

5 >

solle gegen die Vorurthcile dcS Volks nicht zu heftig an-stoße», machten sie, daß er gerade öfters dagegen anstießund zwar in dem, was das Volk am meisten chteressirt,jn Einzelnheiten. Eine große, reiflich erwogene und ra-dikale Reform hätte zwar frappirt, aber nur einmal: dasVolk wäre starr und stumm geblieben. Oft sagt Ricci,der diese Bemerkungen machte, konnte ich mich nicht ent-halten, über den schlechten Charakter der Personen zuseufzen, die dem Fürsten am nächsten standen.

Trotz so vielen Unannehmlichkeiten arbeitete der Bi-schof mit Feuer daran, solche Bücher in seinem Sprengelzu verbreiten, die er für die nützlichsten hielt; und dieihm zugleich dem Stand der Kenntnisse des großen Hau-fens angemessen schienen: er ließ sogar mehrere auf seineKosten neu abdrucken. Im Jahr 1783 ließ er die Samm-lung der Opusoolr la reliAione (interessante Werke überdie Religion) ansangen, die bis zum l7tcN Bande fort-gesetzt wurde, nach welchem die Abhandlungen der Kir-chenvater folgen sollten, als die gezwungene EntfernungRjcci'S jede weitere Bekanntmachung hinderte.

Kaum war bisse Unternehmung bekannt, so hatte sieschon alle Widersacher des eifrigen Prälaten zu Feinde».Der Gouverneur von Pistoja war ein Mensch der alleVvrurtheile des römischen Hofes hegte, dem er früher ge-dient halte. Er opferte unbedenklich Ehre und Pflicht denUmständen der Zeit auf, in der jeder die Gunst gewisser"Minister erlangen konnte, der den Absichten Leopolds undfeiner treusten Diener entgegenärbeitete, und becifertt sich,die neue Sammlung von Werken anzugreifen, .die dempäpstlichen Hof und seinen Anhängen anfls äußerste miß-fiel. Nicht zufrieden mit allgemeinen Schritten, wollte ernoch speciell den Gegenwand seiner Beschuldigungen be-zeichnen; er behauptete,seiner der von Ricci hcrausgegebe-