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Lehrbuch der Geographie nach den neuesten Friedensbestimmungen / von J.G.Fr. Cannabich
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889
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Chinesisches Reich.

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Zech ist der Chinesische Kaiser Schutzherr von ganz Tibet und haltauch Besatzung in den vorzüglichsten Platzen.

Es besteht aus Tibet nn engern Sinne (dem nördlichenTheile), Ngari (dem westlichen Theile) und Butan (dem südli-chen Theile).

1. Tibet im engern Sinne, welcher in die3 Provinzen Ui, Zzangund K'ham zerfällt; darin H'lassa, Lassa, Hauptstadt und Mittelpunktdes Tibetanischen Handels, ist groß und besteht eigentlich aus mehreren kleinenFlecken, in welchen Tempel und Kloster sich befinden, worunter der Haupttem-pel, welchen die Tibetaner gewöhnlich Labh-rang nennen, 3 Stockwerke hatund in einer Kapelle das gegossene Bild des Buddha-Chakia-Mouni enthält,zu welchem viele Pilger wallfahrten. Au H'lassa gebort auch der Berg Bo»tala (Putala), von geringer Höhe, mit 3 besondern Gipfeln, auf deren ei-nem, welcher den Namen Marb o-ri führt (rother Berg), das große und be-rühmte Kloster Botala steht, welches der Dalai - Lama bewohnt. Es ist sehrschön und besteht aus einer großen Menge von Wohngcbäudcn von niedrerenStockwerken und enthält 10,000 Zimmer. Man erblickt hier eine MengeGötzenbilder und Obelisken aus Silber und Gold. Das Dach ist vergoldet.Auf dem zweiten Gipfel des Berges Botala sind Gebäude, worin die auslän-dische» Lama'S ihre theologischen Studien vollenden können. Ueb;rhaupt kom-men viele Personen nach H'lassa, um daselbst Theologie zu studiren, und ineinem der Tempel ist eine schöne Druckerei, 14 Meilen von H'lassa liegt derTempel von Bhraeboung, der mit den ihn umgebenden andern Tempelnund Gebäuden eine beträchtliche Stadt bildet und worin über 5000 Priesterund dienende Personen wohnen. Dj igagunggar, Stadt am Dzangbo-tschu, soll 20,000 H. haben. Schcgar, Stadt von 9000 H. auf dem Gipfeleines Hügels. Sakya, große Stadt am Fuße eines Berges. Natan,Stadt, die 300,000 Einw. haben soll. 2» der Nähe liegt Dischu-Lumbuoder Djaschi-Lumbu, Residenzstadt des Bogdo-Lama, in einem von Fel-sen umgebenen Thale, wo eine Menge gegossener messingener Götzenbilder ver-fertigt wird, besteht aus einem großen Kloster von 300 bis 400 H. und an-dern Gebäuden. Djikadse, Stadt mit 30,000 Einw. Baldhi, Stadt amUamruk-Pundso-Sec, mit einem berühmten Kloster auf einer Insel diesesSees, wo die weibliche Gottheit Dordjipamo ihren Sitz hat.

2. Ngari mit mehreren dem Dalai-Lama zinspstichtigcn Staaten, vonungeheuren Gebirgen angefüllt, darin: Dcba, Dabei, Hauplst. von Hiun-dcü (Schneeland) oder Bhut, auch Una-Lesa, Sitz eines Lama. Ger-top c, Stadt aus lauter Aclthütten bestehend und 15,000 Fuß hoch gelegen,wo jährlich eine große Messe gehalten wird. Leh oder Ladack, Hauptstadtvon Ladack oder Klein-Tibet, mit 1000 H. und vielem Handel, Residenzeines Raja, liegt 11,000 F. über der Mccresflächc, aber noch höher ist dasLand, und die»e, welche von S. nach Ladack führen, sind über 16,000 F.hoch. Der Hauptarm des Indus durchströmt dieses Land. Dieser Stromentsteht in dem Cailas-Gebirge und heißt hier Sin-kha-bab. Seine zweivornehmsten Zuflüsse sind der Zanskar von N. und der Shayuk von S.;der ebenfalls von S. kommende Dras vereinigt sich bei Leh mit dem Haupt-strome. Unter den Thieren dieses Landes ist auch die Shawl- oder TibetanischeZiege, welche hier die schönste Wolle zu den Shawls von Kaschmir giebt.Westlich von Ladack liegt das Land Baltistan oder Jskardoh, mit derHauptst. gl. N., das 1835 zum ersten Male von einem Europäer besuchtwurde, und dessen Einwohner von den Griechen abstammen wollen, die Alexan-der den Großen auf seinem Fcldzugc dahin begleiteten. Jskardoh ist ein Gc-birgsland, das da liegt, wo der Boluc-Tagh und Mus-Lagh zusammenlau-fen. Westlich von JÄarstwh liegt ein anderes, ganz unbekanntes Gebirgsland,Namens Gilgick.