Lrstrs Kapitel.
Die M o r z e i t.
Bild des Landes. — Abstammung, Urheimat und Name der Germanen. —Stellung zu Rom.— Abwerfung des römischen Joches.— Die „Germania",des Tacitus.— Volkszahl.— Die deutschen Stämme.— Waffen, Krieg undJagd. — Gelage. — Viehzucht. — Besiedelungsart. — Tracht. — DieFrauen. — Deutsch -germanische Religion. — Nordisch-germanische Glaubens-lehre. — Der Gottesdienst. — Orakeleinholung. — Lieder und Sagen. —Soziale und politische Verhältnisse. — Recht und Rechtspflege.
Ein wundersam eigenthümliches Gefühl muß uns anwandeln, sowir, im Geiste den Anblick festhaltend, welchen unser Land dermalendarbietet, zweitausend Jahre vor heute im Vogelfluge über Germanienuns hingetragen denken. Da erschauen wir einen unermeßlichen Forst,aus dessen eintönig düsterer Fläche Gebirge hervorragen, bewaldetenInseln gleich. Mächtige Wasser, welche die großen Stromgebiete entlangwandeln, nm an öden Küsten in das Meer zu münden, sowie da und dortzerstreute Lichtungen, Rodungen und Ansiedelungen bringen nur einespärliche Abwechselung in das Waldgcmälde, dessen unbegränzte Mono-tonie viel gnit der des Ozeans gemein hat und wie diese den Eindruckdes Erhabenen hervorzubringen vermag.
In diesen weiten und mit dem rauhen Klima nordischer Watdland-schaft behafteten Gebieten machten unsere Altvorderen den Thieren derWildniß den Boden streitig, c^zif welchem der gewaltige Auerochs mit demzottigen Bären um das Thierkönigthum stritt. Deutliche Erinnerung andieses germanische Urwaldslcben hat unsere uralten Waldgernch athmendeThiersage bewahrt und überliefert.
Betreten wir das Dunkel der altdeutschen Wälder, so finden wirdort ein Volk vor, welches in eine Meuge von größeren und kleinerenStämmen getheilt ist und dessen Zustände vielfach eine überraschendeÄhnlichkeit haben mit denen der freien Kaukasusvölker unserer Tage.Ganz abgesehen nämlich von der großen Uebereinstimmung in Denkweise,Sitten und Bräuchen, wie gleichartige klimatische Verhältnisse und gleich-