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Deutsche Kultur- und Sittengeschichte / von Johannes Scherr
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Die Borzeit.

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sollen". Der römische Historiker kennt und nennt jedoch im weiterenauch die Stämmenamen der M a r s e r, Gambrivier, Sueven undBandalen als uranfängliche, während der ältere Plinins seinerseitsvon fünf großen Stämmen oder Geschlechtern (Feuern") der Germanenspricht: Vindiler, Jngävonen, Jstävonen,Hermionen undPencine r. Die Genesis der deutschen Stämme in älterer und ältesterZeit genau zu bestimmen und nachzuweisen, ist eine bare Unmöglichkeit.Hierüber, wie über noch gar viele Punkte des germanischen Alterthumswird der gelehrte Streit nie zur Ruhe kommen. Die einzelnen Stämmewaren unter sich an Volkszahl und Macht sehr verschieden. Nur große,allgemeine Gefahr vermochte die getrennten, meist mit einander in Fehdelebenden zu gemeinschaftlichem Handeln zu vereinigen. Sonst schlang nurdie Gemeinsamkeit der Sprache, der Sitte, der religiösen Vorstellungenein loses Band um sie. Von nrzeitlichen deutschen Völkerbünden warenvor allen drei berühmt und auf die Geschicke des GesammtvaterlandesEinfluß übend: der von Cäsar geschilderte Snevenbund, der von Armingestiftete niederdeutsche Chernskcrbnnd und der diesem entgegenstehendeoberdeutsche Markomannenbnnd, an dessen Spitze Marbod stand. Imuntersten Rheingau saßen die Bataver, weiter hinauf an beiden Ufernunseres schönsten Stromes die Ubier (bei Köln ), die Trevirer (umTrier ), die Ncrvier (im Hennegau ), die Vangionen (bei Worms ),die NeMeter (um Speier ), die Triboker (im Elsaß ). ZwischenRhein und Elbe wohnten die Kalten (in Hessen ), die Usipier (nörd-lich von der Lippe), die Tenktcrer (im Bergischen), die Cherusker (auf beiden Seiten des Harzes), die Brnkterer (im Osnabrückischen)und nördlich von ihnen die Cha m aven und Angrivarie r. ZwischenWeser und Eins mögen die von Taeitus erwähnten Dulgibiner undChasnaren gesessen haben. In den Nordseegcgendcn hausten dieChauken und Friesen, an den Küsten der Ostsee dieHeruler undRngier, an der Niederelbe die Sachsen , an welche südöstlich dieAngeln gränzten, weiter hinauf am Westufer der Elbe die Lau g o -barden, in dem deutschen Dvnangebiete und später in Böhmen dieMarkomannen, den Strom weiter hinunter die Qnaden, in Schle-sien die S e m none n und Burgunder, zwischen Weichsel und Pregel die Gothe n. Den Namen der Sneve n trug eine Vereinigung vielerVölkerstämme in dem weiten Raume zwischen der Elbe, der Weichsel undder Ostsee . Später breitete sich dieser Bund gegen den deutschen Südenaus, daher hier noch jetzt der Stammname der Schwaben berühmt ist.Die Gränzen aller dieser und anderer Stämme lassen sich nicht genau be-stimmen. Sie wechselten schon in der Urzeit häufig ihre Sitze und die Völ-kerwanderung verwischte die taciteische Zeichnung germanischer Stamm-gränzen vollends bis zur Unkenntlichkeit.