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lichen pommcrschen Landjunkers eingerichtet. Von der Dienerwolke seinesVaters behielt er nur 4 Kammerherren, 4 Kammerjunker, 18 Pagen,6 Lakaien, 5 Kammerdiener und 12 Jägerbursche. Prachteutfaltung liebteei nicht und nur bei festlichen Gelegenheiten ließ er sein königliches Silber-geschirr sehen, dessen massive Gediegenheit ihm lO/z Millionen Thalergekostet hatte. Der König ging stets in seinem einfachen blauen Uniform-rock mit rothen Aufschlägen und silbernen Litzen, wozu gelbe Weste, Bein-kleider und weiße Leinwandstiefeletten kamen; stets trug er den Degenan der Seite und das mächtige Bambusrohr in der Hand. Die Tische,Bänke und Stühle in feinen Wohnzimmern waren von einfachem Holz;Polstersessel, Tapeten und Teppiche sah man nicht darin. Außer denParforce-Jagden auf Hirsche und den Saujagden, wobei oft 2000 bis3000 Keuler in die Garne getrieben wurden, theilte Friedrich Wilhelm mit seinen fürstlichen Zeitgenossen keinen ihrer verderblichen Zeitvertreibe.Ein tyrannischer Hansvater, der seine Kinder durchaus zu seiner eigenenplump-geraden Weise erzogen wissen wollte, war er ein musterhaft treuerEhegatte, f Nur einmal ergab er sich einer „ noblen " Passion und zwarzu einem Hoffräulein von Pannewitz, wobei es ihm aber übel erging.Denn die Schöne fertigte den König, welcher den Roman mit dem Endeanfangen wollte, mit einer derben Maulschelle ab, worauf er auf alleweitere Galanterie verzichtete. Für die Kunst hatte der König so wenigSinn als für die Wissenschaft und mit der einseitigsten Befchdung desLuxus verbot er dem Volke seine hergebrachten Lustbarkeiten. SeineTochter, die Markgräfin Friederike Sophie Wilhelmine von Baireuth,hat die damaligen preußischen Hofzustände mit viel mehr Bosheit als Pietätin ihren Memoiren geschildert. Wie es oftmals in der königlichen Familieherging, wenn den Herrn sein Jähzorn ergriffen hatte, zeigt folgendevon der Markgräfin erzählte Scene. „Als ich eines Morgens," sagtemir mein Bruder Friedrich, „in des Königs Zimmer trat, ergriff er michsogleich bei den Haaren und warf mich zu Boden, wo er dann, nachdemer die Kraft seiner Arme an meinem armen Leibe geübt, mich trotz meinesWiderstandes zu einem nahen Fenster schleppte. Er hatte im Sinne,das Handwerk der Stummen im Serail auszuüben, denn er nahm dortdie Vorhangschnur und schlang sie mir um den Hals. Ich hatte zumGlück noch Zeit genug, aufzustehen, seine Hände zu ergreifen und umHilfe zu schreien. Ein Kammerdiener kam mir zu Hülfe und riß michaus seinen Händen." Daß der König gegen seinen Sohn Friedrich nachdessen mißlungener Flucht den Degen zog, um ihn niederzustoßen, daßer ihn, mit Mühe daran verhindert, aufs gröblichste insultirte und ihnsogar kriegsgerichtlich zum Tode verurtheilt wissen wollte, ist bekannt.Von der gewöhnlichen Tagesordnung der königlichen Familie, die auchauf dem Lande, auf dem echt pommersch-junkerlich eingerichteten Lust-