1 »
tz. 19.
Aber der Unterricht, welchen Lehrlinge von ihrenLehrmeistern erhalten, wird blos mechanisch und nachveralteten, von der Unwissenheit vergangener Zeitenzeugenden, Grundsätzen ertheilt, und weroen die Er-stem von den Letztem blos aus Eigennutz in dieLehre genommen. Ein solcher Lehrling wird theilszum Spuhlen der Kette und des Einschlags, zumLesen der Wolle, zum Noppen und Blösen der Tuche,zum Spülen der gewaschenen und gefärbten Wolleund zu anderen Arbeiten der geringsten Art, z. B. zumWasserhosen, Auskehren der Werkstatt, Sriefelnputzen,Holzspaltcn u. d. gl., angehalten, und muß der hoch-näsigen Frau Meisterin gehorsamen, wie ein Haussclave.Dabei muß er öfters noch Hunger und Kummer lei-den und hat es oft schlechter als mancher Hund.Um aber das Wirken oder Weben zu erlernen, mußer erst jede Gelegenheit benutzen, die ihm vielleichtder Geselle zukommen läßt; und da heutiges Tagesfast überall mit dem Schnellschützen gearbeitet wird,so erlernt sich diese mechanische Arbeit viel leichter alsehemals. Sieht nun der Meister, daß der Lehrlingin dieser Manipulation etwas geübt ist, dann wirdder Geselle fortgeschickt und der Lehrling vertritt dessenStelle so lange, bis er ausgelernt hat. Mit einge-holter Bewilligung seiner Obrigkeit geht er auf dieWanderschaft und ist vielleicht so glücklich, Gelegenheitzu finden, sein mechanisch erlerntes Gewerbe fortzu-setzen. Endlich wird er Soldat, dient seine Zeit aus,geht nach Hause und — wird Meister. Das Mei-sterstück, das aus einer bestimmten Anzahl Ellen Tuchbesteht, wird oberflächlich von den Ober - und Vor-meistern besehen, und, ohne weitere Bestehung ei-nes Examens in Hinsicht theoretischer Kenntnisse