Buch 
Anleitung zum Selbststudium der Geologie : nach dem Book of Science / von Karl Hartmann
Entstehung
Seite
130
JPEG-Download
 

13V Veränderungen der Erdoberfläche.

Weise des Zusammenhanges kennen zu lernen, welcherzwischen den Vorgängen in der Erdrinde und zwischen denZuständen der Atmosphäre stattfindet; Thatsachen, derenErläuterung man bis jetzt vergeblich versucht hat.

Nichts mag indessen unstreitig mehr dazu dienen, unseinen richtigen Begriff von dem tiefen Eingreifen derErdbeben in die Geschichte der Erdrinde und von der ,Großartigkeit der behandelten Erscheinungen zu geben,als die Betrachtung der beobachteten Verbreitung dersel-ben auf der Erdoberfläche, welchen wir feiner noch demBeweise ihres Zusammenhanges mit den deutlicher vul-kanischen Erscheinungen und der Betrachtung der Verän-derungen hinzufügen wollen, welchen sie auf die Gestaltder Erdoberfläche ausüben.

Die Geschichte bewahrt uns die Beschreibungen sehrvieler Erdbeben, deren Wirkungen sich über einen sehrausgedehnten Raum der Erdoberfläche verbreiteten. Am-mianus Marcellinus berichtet schon von einer sol-chen Erscheinung, welche alle Theile des den Alten be-kannten Festlandes afficirte; die Erdbeben, welche Sy-rien verwüsteten, haben sich schon mehrfach bis an dieKüsten Italiens und ostwärts bis nach Indien und dempersischen Meerbusen bemerkbar gemacht, und sehr häufigsind die Erschütterungen an den Küsten von Chile undPeru über einen Raum von sechshundert Meilen Längen-ausdehnung fortsetzend bemerkt worden. Von der Ver-breitung keiner unter den benannten größeren Erschütte-rungen aber sind wir so vollkommen unterrichtet, als vonder des Erdbebens zu Lissabon im November 1755; dieSchriften der londoner Societät und die Sammlung vonNachrichten, welche bald nach diesem Vorfall von Kant ,herausgegeben ward, enthalten dazu die schätzbarsten Nach-weisungen, welche von allen späteren Forschern benutztwurden. Wir wollen einige Details aus denselben her-vorheben.

Nach einer vorläufigen Übersicht von dem Erschütte-rungskreise dieses beispiellos großen Erdbebens ergibt essich, daß ungefähr 700,000 deutsche Quadratmeilen da-