Veränderungen der Erdoberfläche. 131
durch bewegt wurden, d. h. fast V,- der gesammtenOberfläche der Erdkugel; die Wirkung erstreckte sichnicht nur über alle Theile des Continents von Euro-pa, sondern sie ging auch nach Amerika über, und warnicht minder heftig in einem großen Theile der Küstenvon Afrika. Zunächst mit Europa beginnend, findenwir die Thatsache constatirt, daß die ganze iberische Halb-insel am Tag und zur Stunde der ersten Erschütterung,bewegt ward. Wie diese Bewegung sich in den Küsten-gegenden geäußert (zu Cadiz und Setubal), haben wirbereits oben angeführt; sie war auch stark zu Gibraltarund an den Küsten von Malaga empfunden worden, al-lein auch das Centrum des Landes, die Gegend von Ma-drid, ward heftig davon mitgenommen, man spürte hierden ersten und heftigsten Stoß um 10 Uhr 17 — 18 Mi-nuten (in Lissabon um 9 Uhr 50 M-), was, wie schonKant bemerkt, zufolge des geographischen Längenunter-schiedes zwischen beiden Orten genau dieselbe Zeit ist.In den Pyrenäen empfand man ebenfalls die Bewegun-gen und im südlichen Frankreich öffnete sich bei Angou-leme eine mächtige Felsenspalte, auf deren Boden sicheine tiefe Wassermaffe befand; zu Gemenox in der Pro-vence bemerkte man an einer Quelle, daß sie schnellschlammig und trübe ward und bald darauf rothgefärbtausfloß. Weiter nach Osten fortsetzend waren die Wir-kungen dieser Erschütterung vorzugsweise in den Alpensehr fühlbar; schon am 1. November um die Mittagszeitwar besonders das Wallis erschüttert worden, und zuBrieg ward hier durch Riffe in den Gebäuden, Einstür-zen von Mauern u. s. w. viel Schaden angerichtet, jadie Erschütterungen dauerten dort, w^e in Lissabon, spä-ter noch fort, und zwischen dem 9. und 21. Decemberwurden fast täglich dergleichen verspürt (erst am 26.schienen sie ganz ausgeblieben zusein), und es hatte sichnordwärts der Stadt ein Berg am Abhänge der Kettedes berner Oberlandes gespalten, aus welchem fortaneine Quelle hervortrat. Weniger als hier äußerten sichdiese Wirkungen bei Gens und bei Neuschatel und noch
9 *