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Anleitung zum Selbststudium der Geologie : nach dem Book of Science / von Karl Hartmann
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145
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Veränderungen der Erdoberfläche. 145

uns nicht wundern dürfen, wenn sie schon, durch solchenAnblick belehrt, die richtige Ansicht von der Natur derErdbeben hatten, welche die Forscher der neueren Zeitnun endlich erst vollständig wieder gewonnen haben. AufEuböa nämlich, so erzählt Strabo, ward man langeZeit hindurch von heftigen Erdbeben beunruhigt, und dieseließen nicht früher nach, als bis sich in der Ebene vonLelantus, in der Nähe von Chalcis, eine Spalte öffneteund ein Strom von glühendem Schlamme daraus hervor-brach, (offenbar Lava). In Südamerika hat man ähnlichePhänomene beobachtet. Bei dem Erdbeben von Carac-cas, berichtet Humboldt, öffneten sich nicht nur beiValencia, Porto Cabello rc. mehrere Spalten, aus wel-chen Wafferströme von außerordentlicher Größe hervor-brachen, sondern man fand auch unmittelbar nach denheftigsten Stößen in den Gebirgen von Aroa, die zurKüstenkette von Venezuela gehören, den Boden mit einerfeinen weißen Erde bestreut, welche aus benachbartenSpalten geworfen schien und füglich mit vulkanischer Ascheverglichen werden kann. Mächtiger aber noch und furcht-barer waren die Ausbrüche vulkanischer Massen währenddes Erdbebens von Riobamba 17S7. Der District, aufwelchem dasselbe wüthete, hatte eine Länge von 170, eineBreite von 140 Lieues. Die Erde spaltete dabei an un-zähligen Orten und bildete zum Theil ungeheure Schlün-de; aus ihnen traten Waffermassen hervor, welche Thä-ler von 1000 Fuß Breite und 600 Fuß Tiefe ausfüllten,und mit ihnen ein eigenthümlich stinkender Schlamm,ganz aus vulkanischen Substanzen gebildet, welcher sichin beträchtlichen Hügeln aufhäufte und Möya genanntwird. Es ist eine bräunlichschwarz abfärbende erdigeMasse, welche Klaproth in den von Humboldt mit-gebrachten Stücken genauer untersuchte und worin ernächst Brocken und glasigem Feldspath und Bimssteineine Mischung von Kohlen - und Wasserstoff, welche dieMasse brennbar macht, Ammonium, vorherrschend Kie-selerde, nächstdem Thon- und Kalkerde und etwas Ei-senoxyd fand; seiner Natur nach ein wahrer vulkanischerGeologie. 10