Veränderungen der Erdoberfläche. 187
Veränderungen — soweit wir sie durch Überlieferung ken-nen und nicht blos durch Anwendung von Ähnlichkeitenmuthmaßen, — erscheinen in Beziehung auf die ganzeErdoberfläche allerdings nur klein. Bezieht man sie aufden Zeitraum, der die uns jetzt unzugänglichen Nachrich-ten von früherer Gestaltung der Erdoberfläche umfaßt,so findet man, daß die Gestalt der Länder, der Höhenund Tiefen, der Meere, Landseen u. s. w. im Ganzenäußerst wenig — man kann fast sagen, so gut wie garnicht — verschieden ist von derjenigen, die sie in demZeitpunkte hatten, bis zu welchem unsere Überlieferungenhinaufreichen. Aber der Zeitraum, der zwischen dem dun-kelsten Anfange dieser Überlieferungen und unserem Jahr-hunderte liegt, ist in der That noch nicht so groß zunennen. Nur für einen kleinen Theil der Erdoberfläche,> für das westliche Asien und für die classischen Umgebun-gen der Osthälfte des mittelländischen Meeres umfaßt erhöchstens dreitausend Jahre und kaum so viel. Für dieübrigen Theile von Europa und Asien ist er schon umwenigstens tausend Jahre kürzer, und für das mittägli-che Afrika und ganz Amerika umfaßt er nur wenigeJahrhunderte.
Dagegen beweisen viele und wichtige Wahrnehmun-gen, — von denen die Verhältnisse der sich in den jüng-sten Erd- und Felsschichten findenden Überreste organischerWesen der Vorzeit ein Beispiel abgeben mögen, — daßdas Wesentliche der Erdoberfläche oder Erdrinde, alleräußeren Veränderungen ungeachtet, lange, sehr lange Zeitvor diesen dreitausend Jahren, wenn auch nicht von ganzgleicher, doch von sehr ähnlicher Gestalt, aber unfehlbarvon ganz gleicher Natur und Beschaffenheit gewesen seinmuß, wie man dieselbe noch jetzt findet. Daraus folgt,daß die mit derselben vorgegangenen Veränderungen nurdie äußere Gestalt dieser äußersten Erdrinde, die Umrisseder Länder und Inseln (den Grundriß oder wagerechtenDurchschnitt der Oberfläche) und die Umrisse der Höhenund Tiefen (den senkrechten Durchschnitt) betroffen ha-ben, nicht aber die innere Beschaffenheit.