188 Veränderungen der Erdoberfläche.
Erkennen wir nun die deutlichsten Spuren davon, daßin dem zwischen der anscheinend ersten Ausbildung dieserim Wesentlichen unverändert gebliebenen und nur in derGestalt einzelner Theile seit dreitausend Jahren hie undda veränderten Erdrinde, und dem Zeitpunkte, da dasmenschliche Geschlecht — so viel wir nämlich wissen —zuerst angefangen hat, etwas von solchen Veränderungenwahrzunehmen, inneliegenden Zeiträume, dessen Größezu ermessen wir keine Mittel haben, — daß in diesemZeitraume ebenfalls schon Veränderungen vorgegangen seinmüssen, die den von uns selbst wahrnehmbaren vollkommengleich sind, wie zum Beispiel die Deltabildung, das An-setzen von Land, das Zerstören der Küsten, die Erhebungund das Einsinken des Bodens u. s. w-z so werden wiruns genöthigt finden, den Theil dieser Erscheinungen,von welchem wir selbst Zeugen sind, nur als eine Fort-setzung der schon früher eingetretenen und durch einenlangen Zeitraum thätig gewesenen Wirkungen ganz glei-cher Ursachen zu betrachten.
Da aber der Theil dieser Erscheinungen, den unser Men-schengeschlecht während dreitausend Jahre selbst beobachtethat, im Verhältnisse zum Ganzen der Erdoberfläche so kleinist, und die vor Augen liegenden Spuren derselben Wir-kungen aus noch früherer Zeit Veränderungen zeigen, dieim Verhältnisse zu den ersteren sehr, groß und selbst imVerhältnisse zum Ganzen gar nicht klein sind, so darfman wohl nicht anstehen, zu behaupten, daß jenen drei-tausend Jahren ein außerordentlich viel größerer Zeit-raum vorausgegangen sein muß, während dessen immer-fort gleiche Veränderungen mit der Gestalt der Länderund Inseln, der Flüsse und Seen, der Höhen und Tiefenvorgeschritten sind, und zwar immerfort durch dieselbenUrsachen hervorgebracht, welche sie noch heutzutage be-wirken, und ohne daß die eigenthümliche innere Naturund Beschaffenheit der Erde und die auf dieselben wir-kenden Naturkräfte die mindeste Veränderung erlitten haben.
Die Veränderungen selbst ereignen sich, wie oben ge-zeigt worden ist, zum Theil allmälig und gleichsam un-