2V6 Veränderungen der Erdoberfläche.
hatten, immer höher emporgehoben. Fernere innere Be-wegungen der Erde, welche neue Erhebungen in anderenRichtungen, als die der zuerst erhobenen Ketten hervor-brachten, schufen neue Gebirgsketten, die die ersten untereinander verbinden konnten, sie auch wohl in verschiede-nen Richtungen trafen und durchschnitten.
War auf diese Weise erst ein Theil des trockenen Lan-des, mit Ungleichheiten in Höhe und Tiefe, mit Zerrei-ßungen, Verschiebungen, Spalten und dergleichen Eigen-thümlichkeiten der Gestalt, über die Meeresflächc erho-ben, so wiesen seine Unebenheiten von selbst allem aufdenstlben niederfallenden Gewässer des Lustkreises seinenWeg von den höheren nach den tieferen Punkten. Diesewässerigen Niederschläge suchten sich nach dem Gesetze derSchwere die Vertiefungen als Rinnen, in denen sie hin-abströmten; dem von ihnen einmal genommenen Wegmußte alles nachfolgende, auf die Fläche niedergeschlageneWasser folgen, und die Rinne wurde so allmälig zumBette des Baches und des Flusses ausgewaschen. Wodas Wasser rings von Höhen umgeben war, die einBecken bildeten, da sammelte es sich in solchen Behäl-tern, bis es zu einer Stelle emporgestiegen war, niedriggenug, ihm den Überlauf zu gestatten, der hierauf im-mer tiefer eingcfurcht wurde. So erhielt der Boden derersten Inseln und des aus dem Zusammenwachsen dersel-ben durch neue Erhebungen des Meeresbodens oder durchAnschwemmung entstandenen Landes allmälig die Gestal-tung seiner Oberfläche, die ihm jetzt eigenthümlich ist unddie sich in immer fortschreitender Ausbildung oder Um-formung durch dieselben Wirkungen befindet.
Aus dieser Vorstellung folgt weiter, daß es eine Zeitgegeben haben kann, in welcher ein großer, ja wohl derbei weitem größte Theil des jetzt trockenen Landes undder Inseln auf dem Grunde des Weltmeeres verborgengelegen hat. Diese Folgerung ist auch, von allen Seitenbetrachtet, auf keine Weise unnatürlich, vielmehr ver-trägt sie sich vollkommen wohl mit allen übrigen Ver-hältnissen des jetzt bestehenden trockenen Landes, und zwar