4 . Kräfte der Körper.
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Denn wollen wir einen Körper fortschieben, oderihn in seiner Bewegung aufhalten, so fühlen wir, daßwir Gewalt dazu.nöthig haben. Sehen wir daher,daß der Zustand der Ruhe oder der Bewegung einesKörpers ohne unser Zuthun geändert wird: so schließenwir, daß etwas anderes das müsse gethan haben, waswir hätten thun können, so daß es uns scheinen muß,als werde der Zustand des Körpers nie von selbst, son-dern immer von einer äußern Ursache geändert.
§. 56. Erklärung. Die Eigenschaft des Kör-pers, in dem Zustande, worin er sich befindet, für sichallein zu beharren, heißt sein Beharrungsvermö-g e n, oder seine Trägheit, inerti», (fälschlich T r ä g,tzeitskraft, vis inertiae).
Vermöge der Trägheit bleibt der ruhende Körperfür sich in Ruhe, und der bewegte in Bewegung, nacheinerley Richtung und mit einerley Geschwindigkeit. Nurdurch eine äußere Ursach wird derselbe aus der Ruhe inBewegung gebracht, und die Richtung und. Geschwin-digkeit seiner Bewegung verändert.
§.57. Erklärung. Die Ursach jeder Verän-derung in dem Zustande eines Körpers heißt Kraft,vis. Die Richtung, directio, der Kraft heißt diegerade Linie, in welcher sie wirkt, oder zu wirken strebt.
§- 58 . Erklärung. Zwey Kräfte, deren einedie Wirkung.der andern ganz oder znm Theil aufhebt,heißen entgegengesetzt, oppcTitae. Wirken ent-gegengesetzte Kräfte auf einen Körper, ohne daß eineBewegung erfolge, so heißt dieser Zustand , worin sieeinander ganz aufheben, das Gleichgewicht, aequi-librium. Denken wir uns die eine dieser Kräfte als denWiderstand, der sich der Wirkung der andern entgegen-setzt : so nennen wir sie i a st, und die andre schlechthinKraft.