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Neuer Handatlas über alle Theile der Erde / entworfen und bearbeitet von Dr. Heinrich Kiepert, Mitglied d. Königl. Academie der Wissenschaften zu Berlin
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SPECIALKARTEN DER MITTELEUROPÄISCHEN LÄNDER.

Deutsche Staten, Schweiz, Niederlande, Belgien , in grössestemMassstabe (1 : f, 1, Q Million). No. 6 — 11, 14, 15, 16, 20.

Die Grundlage der Zeichnung bildete für die meisten dieser Blätter eineaus den Original-Aufnahme-Karten, und wo diese noch nicht vollständig vor-liegen, den anderen besten Materialien des hiesigen königl. Generalstabes durcheinen bei demselben beschäftigten Zeichner, Hrn. Hammer, reducirte Karte,zunächst von Norddeutschland (Mafsstab 1 : 1,000 000), welche weiterhinunter meiner Redaction über Süd-Deutschland, Schweiz, Nord-Italien und Ost-Frankreich erweitert, die Form von 9 zusammenzusetzenden Sectionen erhaltenhat. Dieser im Stich auch bereits befindlichen Karte sind unmittelbar entnom-men und in allem wesentlichen damit übereinstimmend die Blätter unseres Atlas,welche gleichen Malsstab haben, also 6, 7, 8, 10, 14, 15,20, wobei allerdingstheilweise Wiederholung nicht unbedeutender Landräume auf verschiedenenBlättern, zumal bei den oft unbequemen Formen der mafsgebenden politischenAbgrenzungen, nicht zu vermeiden war: dafs im einzelnen für die bestimmteAbgrenzung des von jedem Kartenbilde umschlossenen Raumes sowohl dieErwägung von historischen und Verkehrs-Bezügen, als die Rücksicht auf ab-gerundete Naturbilder gewisser Erdräume mitbestimmend gewesen ist, wirddem Kundigen nicht entgehen *). Freilich liefsen sich bei der Vertheilungder Landräume unter die einzelnen Karten einige durch die Zufälligkeiten derpolitischen Grenzen bedingte Schwierigkeiten auf keine Weise umgehen: soz. B. erlaubte die dem Bl. 8 durch die Südgrenze des hannoverschen Gebietesvon unten her vorgezeichnete Breite nicht nach oben die hinreichende Aus-dehnung, um das gesammte deutsche Gebiet in Schleswig darauf specieller,als auf Bl. 22 geschehen konnte, zur Darstellung zu bringen; ebenso weniggestattete der Raum irgend eines der Central-Deutschland berührenden Blätternach den Dimensionen der übrigen darauf dargestellten Länder die vollständigeAufnahme der preufsischen Provinz Sachsen : wenn auch der weit gröfsteTheil derselben in Bl. 9 und in kleinem Mafsstabe in Bl. 7 enthalten ist, so mulsdoch zur Ergänzung wegen des nördlichen Theiles daneben auf Bl. 8 verwiesenwerden. Die Thüringischen Staten und die davon geographisch nicht zu tren-nenden preufsischen Antheile Thüringens bis zum Harz sind zwar auf Bl. 7, ■das Königreich Sachsen auf Bl. 10 vollständig und in gleichem Mafsstabe.enthalten, aber der natürliche, historische und Verkehrs-Zusammenhang, inwelchem alle diese Landschaften des mittlern Elbgebietes unter einander ste-hen, konnte doch nur durch nochmalige Zusammenfassung derselben auf einemBlatte zur völligen Geltung kommen, welches in einem gegen die übrigen Kar-ten erheblich (im Verhältuifs von 2 : 3) vergröiserten Malsstabe zu geben**)nicht nur die Raumverhältnisse erlaubtem, sondern auch der Zweck einer kla-reren Darstellung der so übertrieben zersplitterten politischen Abgrenzungen'in Thüringen und dem Harz, und der so stark mit grofsen Ortschaften aime-bauten industriereichen Gebirgsgegenden Sachsens gebot, — die einzige wäh-rend des Fortgangs der Arbeit als zweckmäisig erkannte Abweichung von deinursprünglich angekündigten Plane. Sonst ist eine Vergrölserung des durch-schnittlich angenommenen Mafsstabes um j nur für die Karte der Schweiz ,selbst gegenüber dem Nachtheile ungleichen Mafsstabes in den beiden sichgewissermafsen ergänzenden, das westliche und östliche Alpengebiet darstel-lenden Blättern, um defshalb praktisch befunden worden, weil die Zeichnungim gleichen Reductionsverhältnifs von 1 : 1,000 000 den der Blattgröfse ent-sprechenden Erdraum entweder westlich oder östlich über für diese Karte un-wichtige Länderstrecken, südlich aber doch nicht einmal bis zur fortlaufendenmaritimen Begrenzung Oberitaliens und nur unter Benachtheiligung des Haupt-laudes ausgedehnt haben würde. Eine Verkleinerung des Ein-Milliontheil-Mafses um j dagegen war notkwendig bei einem einzelnen Blatte (No. H),da ohne dieselbe die nordöstlichen Küstengebiete Deutschlands , welche übri-gens bei schwächerem Anbau und geringerer hülle an bedeutenden Orten einesolche Verkleinerung am ehesten ertragen, nicht auf einem Blatte von demvorgezeichneten Formate hätten vereinigt werden können.

Einige Schwierigkeit für die Correctheit der Namen bieten die Grenzge-biete der deutschen Sprache in Osten und Westen, gegen slawische undfranzösische Zunge. Indem dort die überwiegende Herrschaft der deut-schen Sprache, selbst wo ihre Angehörigen die Minderzahl bilden, seit Jahr-hunderten den fast ausschliefslichen Gebrauch der deutschen Namensformenzur Folge gehabt hat, sind natürlich die einheimischen Landessprachen: diepolnische im Norden, die cechische in der Mitte, die slowenische (windische)im Süden in ihrem althistorischen Besitze über Gebühr beeinträchtigt worden;unzählige diesen Sprachen angehörige, noch heut zu Tage im Volksmundeallein übliche Namen sind durch die deutschen Formen (entweder umdeutendeEntstellungen oder Uebersetzungen von jenen), wenigstens bei der herrschen-den Classe und i m officiellen Gebrauch verdrängt worden; ich habe für zweck-mäfsig gehalten, wenigstens soweit es die Rücksicht auf den Raum irgendgestattete, neben den deutschen die slawischen Namen in solchen Fällenanzugeben, wo sie selbständig oder von der deutschen Form mehr als gewöhn-lich abweichend sind, und zwar für den Norden, d. i. die aufserdeutschen Pro-vinzen Preufsens natürlich in der dort herrschenden polnischen Orthogra-phie, für den österreichischen Süden aber, namentlich Böhmen und Mähren ,in der neuslawischeu (cecliischen), über welche die bei No. 13 (Ungarn ) fol-genden Erläuterungen zu vergleichen sind. Doch wurde letztere, den in der

) z. B. in der vollständigen Ausführung des linksrheinischen 'llialgebietes, des deutschen Landesbis zu den Vogesen auf Bl. 6, in der Weiterführung der grofsen Verkehrsstrafsen von West-Deutschlandnach dem nordöstlichen bis Leipzig und Berlin auf Bl. 7, so wie der von Belgien und dem Rhein ausgehenden bis Paris auf B1 2 0 u. a. m.

**) Aus demselben Grunde wird auch neben Blatt 6 und 7 eine vergröfserte Darstellung derebenso stark oder noch mehr bevölkerten, theilweise auch in derselben Art unter verschiedene Stats -gebiete sehr zerstückelten Theile des mittlern Rheinthaies zweckmäisig erscheinen; diefs wäre jedochohne Vermehrung der Blätterzahl nicht ausführbar gewesen, mufs also eventuellen Erweiterungen desAtlas durch spätere Supplemente Vorbehalten bleiben; einstweilen wird wenigstens für denjenigen durchdie höchste Blütlie der Industrie am engsten mit grofsen Ortschaften bedeckten Theil des Rheinlandes,dessen einigermafsen vollständige Darstellung der Mafsstab von 1 : 1,000 000 nicht wohl gestattete, derin dem überflüssigen Raume von Bl. 7 angebrachte Carton ausreichendes Detail gewähren.

jetzigen österreichischen Statspraxis geltenden und in neueren Werken, welcheauf officiellen Erhebungen beruhen (z. B. v. Czoernigs ethnographischerKarte, jedoch noch nicht in den meist früher bearbeiteten Generalstabs-Karten)durcligefülirten Grundsätzen gemäls, nur in den Namen der ganz oder über-wiegend von öechen und ihren nächsten Stammverwandten bewohnten Ort-schaften beibehalten, in den jetzt ganz oder überwiegend deutschen aberdie herkömmliche deutsche Schreibart angewendet, so dafs die bei genauererDurchsicht von Bl. 14 in Böhmen und Mähren leicht erkennbare Begrenzungzwischen beiden Schreibarten bis auf einzelne bei dieser mühsamen Redactionwohl mit untergelaufene kleine Inconsequenzen zugleich die ungefähre Sprach-grenze ergiebt. Dagegen sind in den südöstlichsten Theilen Deutschlands mitvorherrschend slawischer Bevölkerung: Süd-Steiermark, Unter -Kärnthen undKrain , nach dem völligen Untergänge der nationalen Selbständigkeit durchfrüher erfolgte deutsche Eroberung, die ursprünglichen, im Volksmunde fastüberall noch erhaltenen Localnamen schon längst historisch und administrativvöllig verdrängt durch germanisirte Formen oder ganz deutsch gebildete Na-men, selbst für völlig slawische Orte; hier mulste also der geschichtlichenEntwickelung ihr Recht gelassen und die bei dem herrschenden Volke, denDeutschen , übliche Nomenclatur beibehalten werden, da hier die Masse derslawischen Namen nur ein ganz speciell provincielles, kein allgemein geogra-phisches Interesse hat, — nur den Städten habe ich nötliig gefunden nebenden deutschen Namen ihre meist grundverschiedenen slawischen (oder mitdialektischer Bezeichnung: slowenischen oder windischen) Benennungen bei-zufügen, deren richtige Form zu ermitteln bei der Vernachlässigung, womitdieser Theil der Topographie behandelt zu werden pfiegt, zum Theil nicht ge-ringe Schwierigkeit machte, in einzelnen Fällen bei Abweichung in den An-gaben der benutzten Quellen auch wohl noch Berichtigungen zulassen mag,für deren gefällige Mittheilung seitens Sachkundiger ich sehr dankbar seinwerde.

An der Westgrenze deutscher Sprache, einschliefslich der flämischen, ge-gen die französische in Belgien, Lothringen, Schweiz , und in geringerem Mafseauf der Südarrenze freien die italienische in Tessin, Graubünden und Tirol,findet sich eine weniger tief eingreifende Doppelnamigkeit von Orten, Bergen,Flüssen, die in den meisten und früherer Entstehung beim Beginn deutscher Eroberung angehörigen Fällen nur auf eine geringere oder gröfsere Verschie-denheit der Formen zurückgeht, von denen die romanische meist getreuerder alten keltisch-lateinischen Form entspricht; seltener hat der Gebrauchübersetzte oder ganz neu gewählte Namen (wie z. B. bei mehreren Seen derSchweiz und dem Langensee — Lago Maggiore, im deutschen Namen desJura:, Leberberg u. a.) eingeführt: Die verschiedenen Namensformen derFlüsse, welche aus einem Sprachgebiete in das andere übergehen, sind an denbetreffenden Stellen ihres Laufes stets in der nationalen Form eingetragen,also z. B. nur innerhalb des deutschen Sprachgebietes Schelde, Maas , Sauer,Mosel, Rotten (in Ober-Wallis), Etsch — dagegen dieselben auf französischemSprachgebiete Escaut, Meuse, Sure, Moselle , Rlwne, auf italienischem Adigeu. dgl.m.*) Ebenso sind natürlich bei den Wohnorten überall die dem betref-fenden Sprachgebiete eigenthümlichenFormen in erste Reihe gestellt, die darausumgebildeten Formen aber in Parenthese beigesetzt worden: so stehen alsohn wallonischen Belgien und der französischen Schweiz die französischen,in Tessin, Südtirol und überhaupt so weit in Italien deutscher Sprachgebrauhdes Mittelalters eio-enthümliche Formen gebildet oder (wie bei Florenz undNeapel ) ältere conservirt hat, die italienischen Formen voran, die deut-schen Umformungen in (—); umgekehrt ist, soweit deutsches Sprachgebietreicht, die abweichende romanische Form **) in (—) der deutschen (resp.flämischen oder holländischen) nachgestellt worden: so namentlich im flämi-schen Belgien, französischen Flandern, vorzüglich aber in dem deutsch -redeuden Luxenburg ***), Nieder-Lothringen und Eisass, Landschaf-ten, in welchen erst in neuerer Zeit durch den Einflufs französischer Verwal-tungssprache die Französirung der deutschen Namen eingerissen ist und durchdeutsche Nachäfferei leider auch in deutschen Büchern und Karten Einganggefunden hat -J-) : hier lag die, nur mit Hülfe tüchtiger geographisch-histo-rischer Arbeiten des vorigen Jahrhunderts zu lösende Aufgabe vor, die vonder officiellen Statistik und Kartographie ignorirten, aber im Volksmunde nochallein gebräuchlichen deutschen Namensformen in ihrer Aechtheit wiederher-zustellen, denen die daraus entstellten, auch mitunter übersetzten französischen Formen ff) nur in den selteneren Fällen starker und nicht von selbst verständ-licher Abweichung in (—) beigefügt worden sind, da sie, wenn auch histo-risch und national ganz unberechtigt, wegen ihres schon zu häufig geworde-nen Gebrauchs nicht gänzlich umgangen werden konnten.

*) Dies Verfahren liefs sicli liier in Westeuropa , bei der bestimmteren linearen Abgrenzung dergrofsen Stamm- und Sprachgebiete leichter durchführen, als bei den Flüssen des östlieben Central-Europa, in welchem die Gebiete der verschiedenen Nationalitäten in so bunter Mischung durcheinandergehn, dafs eine scharfe Scheidung des Gebrauches der einen oder andern Namensform für bestimmteräumliche Grenzen gröfsere Schwierigkeiten hat.

**) Es kommt natürlich, abgesehen von ein paar Namen in Graubünden und Tirol, nur dasFranzösische in Betracht, dem in den meisten Fällen der englische Gebrauch sicli anschliefst, sonamentlich in den Benennungen mancher bedeutenderen Orte des niederdeutschen Sprachgebiets in denNiederlanden und den Rhein hinauf, die so stark von den deutschen Formen abweichen und zugleichs0 häufig im Gebrauch Vorkommen, dafs ihre Beifügung auf dem für diesen Zweck vorzugsweise ge-eigneten Bl. 20. zweckmäfsig erscheinen.

***) Diese unglückliche, aus dem ächten deutschen Namen Lützelburg erst durch das Medium derfranzösischen Form Luxembourg entstandene Zwitterform hat sich leider durch deutsche Nachlässigkeitauch im officiellen Gebrauche so fest eingenistet, dafs ihre gänzliche Beseitigung nicht ausführbar undsie somit auch in unsern Karten als einzige Ausnahme von dem sonst festgehaltenen Prinzip erscheint.

t) Beispielsweise in der vor kurzem vom k. preufs. Handels - Ministerium herausgegebenen über-haupt durcii Incorrektheit der Nomenclatur ausgezeichneten grofsen Strafsenkarte von Deutschland undseinen Nachbarländern, in der man aufser hunderten von dem deutschen Auge und Ohre so wider-wärtigen Formen wie Wissembourg, Mulhouse, Bouxmiller u. dergl. m. sogar in Deutsch - Luxenburg französischen Uebersetzungen von Namen, die selbst die französischen Karten in deutscher Formztt gehen pflegen (z. B. Fels in Larochette, Siebenbrmm in Septfontaines , Esch sur l’Alzette stattEsch an der Eh u. dergl.) begegnet; diefs in einer deutsch ahgefafsten, von einer deutschen Behördeveröffentlichten, heim grofsen Publicum natürlich für quasi-officiel geltenden Arbeit!

ff) In einzelnen Fällen ist durch die, dem bequemeren romanischen Organe mundrecht gemachteForm die richtige so weit verdunkelt, dafs durch Rückübersetzung ins Deutsche leicht eine fehler-hafte entstellt, wie man z. B. häufig den Namen der oberlotliringischen Stadt Saarburg in Büchernund Karten findet, (wie es mir selbst noch in der Karte von Frankreich , Bi. 19, entschlüpft ist!,nacli der officiellen französischen Benennung Sarrebourg , welche aber selbst eine Entstellung aus demdeutschen Namen Saarbruck ist (zum Unterschiede von der benachbarten, jetzt preufsischen StadtSaarbrücken früher gewöhnlich Kaufmanns - S. genannt, welchen Namen ich daher neben der französi-schen Form auf Bl. 6 hergestellt habe). So ist richtig Finstingen oder Vinstingen, nicht, wie manoft nach der französischen Form Fenetrange geschrieben findet: Finsterlingen u. dergl. m.

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