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Neuer Handatlas über alle Theile der Erde / entworfen und bearbeitet von Dr. Heinrich Kiepert, Mitglied d. Königl. Academie der Wissenschaften zu Berlin
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cumenten darüber fehlt, eingetragen ist. Das einzige der hispanoamericani-schen Gebiete dieser Region, von welchem wir seitdem eine genauere, wenig-stens theilweise auf Vermessungen beruhende Karte erhalten haben, die Re-publik San Salvador (durch M. v. Sonnenstern, New-York 1859) nimmtin dem Mafsstabe der vorliegenden Karte einen zu geringen Raum ein, alsdafs die Abweichungen der neuen Zeichnung gegen die von mir benutztevon Squier deutlich sichtbar werden konnten (für Nicaragua ergiebt dieneue Karte desselben Autors vollends keinerlei nennenswerthen Unterschied);die im J. 1854 durch ein Erdbeben zerstörte alte Hauptstadt S. Salvador^welche in meiner Karte nicht durch Unterstreichung als Hauptstadt ausge-zeichnet worden war, da in Folge jenes Ereignisses der Regierungssitz pro-visorisch nach Cojutepec verlegt war, wird übrigens jetzt in solcher Näheder früheren Lage, dafs die Ortszeichen im kleinen Mafsstabe vorliegenderKarte ganz zusammenfallen würden, wieder aufgebaut. Die seit einigen Jäh-ren von England in Anspruch genommene Colouie der sogenannten Bay Is-lands im Honduras Golf, welche deshalb auf Bl. 36 u. 39 mit der Farbe derenglischen Besitzungen bezeichnet worden war, ist bekanntlich ganz kürz-lich von dieser Macht wieder aufareeebeu und an den Stat Honduras , demdie Inseln früher angehörten, zurückgegeben worden, womit freilich, nach derangeblichen Unabhängigkeitserklärung auf Ruatan ihre demnächstige politischeStellung noch keineswegs sichergestellt erscheint.

Die Generalkarte von Nordamerica hat seit ihrem ersten Erscheinen, aufser den bereits beiBl. 38 angeführten, einige berichtigende Zusätze erfahren in dem nördlich an die Vereinigten Statenangrenzenden westlichen Theile des britischen Gebietes durch die Resultate der neueren von Capt.Palliser und anderen Forschern geleiteten Reisen um die grofsen Seen, längs des Saskatschewanund bis jenseit der Rocky Mountains , sowie durch die letzte, bis zur endlichen Ermittelung von Restender Franklin’schen Expedition geführte Seereise Capt. Mac Clintock’s, dessen Name nunmehr,sowie der seines berühmten Vorgängers, durch die Britische Admiralität mit den durch ihn undseine Begleiter erforschten Meeresarmen verbunden worden ist, welche das jetzt bestimmt (in Ueber-einstimmung mit meiner ein Jahr früher in der Karte durch punktirte Linien angedeuteten Vermü-thung) als Insel erwiesene Prince of Wales Land südöstlich (als Franklin Street) von Bootlda;südwestlich (als Mac Clintock Channel ) von der noch unerforschten Küstenstrecke der wahrschein-lich zusammenhängenden Landmasse scheiden, deren nördliche und südliche Küsten durch die Ent-decker die Namen Prince Albert und Victoria Land erhalten haben. Endlich ist durch die kurzen,unter den bisher entdeckten Resten dev Franklinschen Expedition aufgefundenen Berichte wenig-stens wahrscheinlich gemacht die Trennung des seit 10 Jahren in den Karten mit dem gemein-samen Namen Cornwallis Island bezeichneten Landes im Norden der Barrow-Strafse mittelst einerwohl nur schmalen und deshalb bei den letzten Umschiftungen im Eise nicht bemerkten, den ver-mutheten Isthmus auf dem 80. Längengrade (Ferro) schneidenden Meerenge, in zwei Inseln, vondenen der östlichen jener Name jetzt ausschliefslicli zugetheilt, der westlichen der seit derselbenZeit auf die südliche (schon 1822 von Parry entdeckte und benannte) Halbinsel beschränkte, daherauch in unserer Karte so erscheinende Name Bathurst Island wieder zurüekgegeben worden ist *).

40. Südamerica.

Obwohl die kartographische Bearbeitung der einzelnen europäischen Co-lonieländer an den Ost-, Nord- und Westküsten des Continents, welche derReduction dieser Generalkarte vorausgehen mufste, wenigstens in einzelnenTheilen (Cordilleren-Landschaften, mittleres Ost-Brasilien, Mündungsland desla Plata) durch ein in neuester Zeit wesentlich bereichertes Material in grö-fserer Specialität möglich gemacht und gleichzeitig durch wachsende Aus-wanderung und Handelsverbindung nach diesen langsam sich entwickelndenKüstenländern das europäische Interesse dafür einigermafsen gewachsen ist,so erschien doch eben wegen des langsamen Mafses dieses Fortschritts undder weiten Zerstreuung der wichtigem Punkte über ungeheure Räume, fürdie Zwecke eines, allgemeinen Atlas vorläufig diese eine Generalkarte aus-reichend, deren Malsstabj obwohl er zur Erleichterung der Vergleichung derGröfsenverhältnisse denen der Karten von N ordamerica. und Africa gleich,also um j kleiner als ohne diese Rücksicht ausführbar gewesen wäre, gewähltist, doch die Eintragung aller wichtigeren Orte und Naturformen noch ebengestattete; für speciellere Darstellungen der einzelnen Gebiete wird sich spä-ter in den dem Atlas nachfolgenden Supplementheften um so eher Gelegenheitfinden, als für manche einzelne Länder, namentlich Peru, Bolivia und Bra-silien , auch auf einigen Zuwachs an geeignetem Karten - Material und für Kar-tographie brauchbaren Berichten in nächster Zukunft zu rechnen ist.

Wegen der Fortschritte, welche neueste Forschungen in diesem Erdtheile auf einzelnen Ge-bieten (westlicher Theil der Argentinischen Republik, Stromgebiet des Rio Säo Franciscoin Ostbrasilien, Süd-Chile) ergeben haben, verweise ich auf die betreffenden Artikel und Kartenim laufenden Jahrgange der Berliner Zeitschr. f. allg. Erdk. Hinsichtlich der durch das Coloritbözeichneten politischen Grenzen ist zu bemerken, dafs kein Grund vorliegt die unter dem, durchdie Spanier gebräuchlich gewordenen Namen Patagonien bekannte südlichste Halbinsel, wie inden meisten Karten geschieht, als besonderes geographisches (jedenfalls nicht statliches) Gebietzu bezeichnen und von den Grenzen der beiderseitigen Coloniestaten, Chile und Argentina , auszu-

*) Von dem durch Farbendruck hergestellten Colorit dieser Karte fehlt in den meisten Exem-plaren in der rothen Farbe die Bezeichnung der Grenzlinie zwischen Minnesota und Dacotah (vgl.oben Note zu Bl. 36) und der zu den Vereinigten Staten gehörigen Isle Royale im Lake Superior ,in der blauen Farbe die Bezeichnung der Inselchen Miquelon und St. Pierre an der Südküste vonNew Foundland als französischer Besitzungen.

scheiden, welche darauf ebenso gerechtfertigte nnd wenigstens stellenweise durch factischen Besitzgesicherte Ansprüche geltend machen, wie beispielsweise England, Rufsland und Dänemark aufdie gleichmäfsig herrenlosen Nordküsten des americanischen Continents. Die Absonderung deraraucanischen Landschaft, welche bisher die südlichsten chilenischen Provinzen Valdivia undChiloe von dem übrigen Statsgebiet trennte, hat neuerdings mit der Unterwerfung derselben unterchilenische Autorität ein Ende genommen; die Grenze ist also jetzt gleichmäfsig längs der Küsteund der Cordilleren fortzuziehn. Endlich sollte Ft. Olimpo am obern Paraguay (im Colorit derKarte irrig in die bolivianische Grenze eingesehlossen) durch die Farbe als Besitzung der Rep.Paraguay bezeichnet sein.

ALLGEMEINE ERDKARTEN.

No. 1. 2. 3.

Für Erdbilder von so deminutivem Mafsstabe, in denen (zumal in denam gedrängtesten dargestellten äquatorialen Strichen der Karte in Mercator-Projection) oft kleinere Inseln mit mächtigen Berggipfeln im richtigen Ver-hältnif's des Horizontalmafsstabes nur durch Punkte ausgedrückt werden kön-nen, erschien mir die Anwendung der jetzt allgemein gebräuchlichen undganz gewöhnlich auch von Karten grölseren Malsstabes auf solche allgemeineErdkarten übertragene Manier der Bergzeichnung, mit Andeutung beidersei-tiger Abhänge und angeblicher Gebirgsrücken völlig unanwendbar, zumaldieselbe schon bei doppelt bis vierfach gröfserem Mafsstabe in Uebersichts-karten der einzelnen Erdtheile nicht ohne mannigfache Uebelstände durch-a-efülirt werden kann. Ich habe daher für diese allgemeinsten Erdabbildun-gen nach A. v. Humboldt’s Vorgänge (vorzüglich in seiner Karte von Cen-tral-Asien) die Anwendung einer älteren, schon im vorigen Jahrhundert vond’Anville ausgebildeten Manier vorgezogen, durch welche ohne irgendwel-chen Anspruch auf Darstellung der Form und relativen Höhe der Gebirgenur ihre Lage und Erstreckung überhaupt mittelst einfacher Strichlagenangedeutet werden soll: wenn die Ausführung derselben im Stich nicht über-all vollkommen dem beabsichtigten Effect entspricht und namentlich in derKarte No. 1 einzelne Partien vielleicht etwas unharmonisch und krauser alsnötliig erscheinen, so bittet man diesen kleinen Mangel der Ungeübtheit desStechers beim ersten Versuche in der vorgeschriebenen Manier zuzuschreiben.

Bei der Projection von Bl. I. erschien der mögliche Vortheil eines dochnur um | gröfsern Mäfsstabes für den Zweck des Blattes unerheblich gegendie, durch Wiederholung eines Raumes von 70 Längengraden ermöglichtevolle Darstellung der Flächenräume beider Oceane und ihrer gegenseitigenKüstenentwickelungen; hierdurch wurde zugleich dieses Blatt vorzugsweisegeeignet zur Aufnahme einer übersichtlichen Darstellung derjenigen Phöno-mene aus der Physik der Erde, welche als die constantesten (wenn auchnoch nicht überall, namentlich mit den bisherigen Mitteln der Forschung, inihren Grenzen genau festzustellenden) zugleich die gröfste Wichtigkeit- fürden menschlichen Verkehr auf der Gesammtoberfläche der Erde haben: deroceanischen Strömungen. Die Eintragung derselben erfolgte, unter derdem kleinen Mafsstabe entsprechenden Verallgemeinerung der Formen, nachden zuverlässigsten neueren Arbeiten englischer und americanischer Forscherund Seefahrer, vorzüglich Findlay’s und Maury’s, denen sich einzelneErmittelungen der holländischen und dänischen Marine für die Strömungenan den südafricanischen und isländisch-grönländischen Küsten anschliefsen.

Die aus Rücksicht auf zusammenhängende Verzeichnung der Continen-talmasseu gebräuchliche Projectionsart der beiden Erdhalbkugeln (Bl. 2 und 3)läfst die Oceane natürlich nur in einzelnen Theilen erscheinen, erlaubt alsonicht den Zusammenhang der Meeresströmungen übersichtlich darzustellen;dagegen wird dies in ausführlicherer Weise als auf Bl. I. bei gröfserem Mafs-stabe geschehen in zwei nach derselben Aequatorial-Projection, aber mit ver-änderter Orientirung der Meridiane ausgeführten Planigloben, in welchen diegrofsen oceanischen Flächen den mittleren Theil einnehmen und ihre Um-grenzung durch die Continente als Hauptzweck der Darstellung hervortritt;dieselben werden mit zwei andern Planigloben in Polar-Projection (also dienördliche und südliche Halbkugel der Erde umfassend) das nächstenserscheinende erste Heft der dem Atlas allmählig beizufügenden Supplementebilden *).

*) Aus diesen Blättern werden sich auch leicht in die Bl. 1. 2. 3. diejenigen kleinen Zusätzeübertragen lassen, welche seit ihrem Erscheinen der Fortgang der Entdeckungen ergeben hat; indefsbeschränken sich die betreffenden aufserhalb des in den einzelnen Karten aufsereuropäischer Länder

dargestellten Bereichs gelegenen, mithin oben noch nicht angeführten neuen geographischen Thatsachen

auf die erst Ende 1853 von Heard entdeckte Inselgruppe im südlichen Indischen Ocean S. 0. von Ker-guelen’s Land, welcher nach ihrem ersten Erforscher Anf. 1854 der Name der Macdonald Inseln zu-kommt. (Vgl. Petermann Mitth. 1858, Taf. 1.)

Nachträgliche Anmerkung. Zur Erklärung einer Differenz im deutschen Namen des Fliifschens, an welchem die Stadt Luxenburg liegt, und welches gewöhnlich in Karten und Büchern

in der französischen Form Alzette erscheint, sei hier noch bemerkt, dafs neben anderen nicht sicher zu belegenden Formen wie Alzig , Else, Elsenz, die beidenvon mir in Bl. 7 u. 20 gebrauchten Formen Alsitz und Elz , nebeneinander in älteren Druckwerken gebraucht werden, die letztere stärker abgekürzte jedochvorherrschend in geographischen Werken des vorigen Jahrhunderts, also wohl auch jetzt noch im Volksmunde. Uebrigens wird in derselben Zeit der Name derHauptstadt und des Landes gewöhnlich nicht LützeZbnrg (wie oben pag. 5 note *** und in den Karten angegeben), sondern Lützenburg (verkürzt aus der mittel-altrigen Form Lucelinburg), daneben aber doch auch schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts Luxenburg geschrieben und gedruckt.

Nachträglich zu Bl. 9: In Oer S. W. Spitze des Königreichs Sachsen, bei Falkenstein I. Poppenprnn st. Poppen/ram.

Zu Bl. 31. 32. Die Namen einiger gröfseren Flüsse des südöstlichen Australiens in der Sprache der einheimischen Bevölkerung, denen sich die Aufmerksamkeit der Er-forscher in neuester Zeit zugewandt hat, während man sie bisher mit den von den europäischen Entdeckern beigelegten Namen zu benennen pflegte, können auskürzlich erschienenen englischen Karten und Berichten in Bl. 31 u. 32 nachgetragen werden: Goolwa = Murray, Callewatta = Darling, Balonne = Condamine.

Geschlossen Berlin , 1. Juli 1860.

H. KIEPERT.

Gedruckt bei k.W. Schade in Berlin , Griinstr. 18.

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