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Neuer Handatlas über alle Theile der Erde / entworfen und bearbeitet von Dr. Heinrich Kiepert, Mitglied d. Königl. Academie der Wissenschaften zu Berlin
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v. Schlieffen aufgenommene und mir freundliclist mitgetlieilte Wegekarte ;benutzen. Die westliche benachbarte Landschaft Dar-Für würde, wenn denvon Barth im westlicheren Sudan gesammelten Wegebeiichten in Bezug aufEntfernungsangaben völlig zu trauen ist, im ganzen beträchtlich weiter west-lich gerückt werden müssen, wie dies auch in der neuen Axisgabe der Ge-neralkarte von Africa geschehen ist, hier habe ich es vorläufig, wegen dergrofsen Unsicherheit aller bisherigen Angaben über dieses noch so gut wieunbesuchte Land unverändert gelassen. Wegen der Specialdarstellung desauf diesem Blatte miteinbegriffenen westlichen Theiles von Arabien findet maudie literarischen Nachweisungeu in dem von mir bearbeiteten 3. Heft desAtlas zu Ritters Erdkunde von Asien .

Seit der ersten Ausgabe dieser Karte sind neuerdings einzelne Fortschritte geographischer Er-forschung bekannt geworden, welche zu einer berichtigten Ausgabe haben benutzt werden können.

Es sind dies namentlich die Route von II. Barth in Oberägypten (schon im Jahre 1845 gemacht,aber erst jetzt publicirt), zwischen Assuan und der Ostküste, wodurch die Gestalt der Berge und |Th'aler und die Lage der Ruinen und Smaragdminen bei SiUcet-el-Kebir genauer bestimmt wird. Fer- 'ner zwei Routen des österreichischen Naturforschers Th. v. Heuglin (beide in Petermanns Zeit- !sclirift, die zweite auch in einem besonderen Buche publicirt), vom Nil in Dongola direkt durchdie Wüste nach Chartüm (eine Anzahl von bisher nicht bekannten Wasserläufen dprchschncidend,die nach Osten hin durch ein gröfseres, nördlich bei Ambukol zum Nil führendes Thal, WadvMokatteb, abfliefsen), sowie von der Siidostgrcnze des ägyptischen Gebietes in Nubien am Atbaraaufwärts nach Gondar (diese Route war bereits, wenn auch mit geringerer Bestimmtheit, nach vor-läufigen Mittheilungen des von Heuglin hegleiteten verstorbenen österreichischen Consuls C. Rietzin unsere Karte eingetragen) und mit südwestlichem Umwege zurück nach Galabat, durch welchesletztere Wegestück das obere Flul'sgebiet des Schimfa eine berichtigte Gestalt erhalten hat.Endlich die gemeinsam ausgei'ührten, aber einzeln publicirten Reisen des Schweizers W. Munzinger (in einer besonderen Schrift über das Recht der Bogos ) und A. de Courval (im Bulletin derPariser Soc. de Geographie, 1858) von der türkischen, an der Nordgrenze Habessiniens gelegenenHafenstadt Musawwa (gewöhnlich Massaua geschrieben) westlich landeinwärts, durch die Gebirgs-länder der Bogos und Bsizena bis nach Tfika, an welche sich eine (gleichfalls im angef. Bulletinpublicirte) Route von Vayssifere nördlich nach Sauäkin anschliefst: diese in ihren Meldungen über-einstimmenden Berichte ergeben für diö nach Norden sich senkenden Thäler und Flüsse diesesBerglandes einen ganz anderen Verlauf, als den bisher allgemein angenommenen mittelst des Atbarazum Nil: vielmehr sollen nicht nur der Ain-Seba ( Anzebal) d. i. der Flufs von Keren im Bogos-Lande und der davon verschiedene Chor Barka (beide in der ersten Ausgabe unserer Karte nach denälteren Andeutungen Wernes noch als identisch angenommen) sich nordöstlich zum ArabischenMeerbusen wenden, sondern dasselbe behaupten auch wenigstens Munzinger und Vayssiere von demöstlichen der beiden Flüsse von Taka, dem im obern Laufe in Ilabesch Marib genannten Chor e/-Gasch, welcher nach dem nur allzuflüchtig skizzirten Itinerar des Franzosen längs der Strafse nachSauakin in einem tiefen Thale das Küstengebirge durchbrechen müfste, ungefähr in der Richtungder beiden, auf Burckkardts Autorität auch noch in unserer Karte als in verschiedener Rich-tung, nach S. und N. von dem wasserscheidenden Gebirgsrücken abfliefsenden Wasserläufe WadyOdi und Wady Osuit; dagegen lassen wieder Courvals, freilich auch nicht auf Autopsie beru-hende Angaben den Chor el - Gasch nördlich von Täka in ausgebreiteten Sümpfen stagniren unddiese in der Regenzeit einen Abflufs westlich zum Nilzuflufs Atbara finden (wie dies in der be-richtigten Ausgabe unserer Karte angedeutet ist), eine Angabe, die, wenn auch nicht in der Lo-calität, doch in der westlichen Richtung des Abflusses eher mit der in unserer ersten Zeichnungbefolgten Angabe Wernes, wonach der Chor el-Gasch unter dem Namen Mogrcn dem Atbara naheseiner Mündung in den Nil Zuströmen. sollte, zu vereinigen wäre. Eine genügende Aufklärung die-ser Widersprüche, welche die Kartendarstellung des betreffenden Ländergebietes noch äufserst un-sicher erscheinen lassen, ist erst von weiteren gründlicheren Forschungen zu erwarten; als sicheresResultat aus Combinationen aller angeführten Routen bleibt vorläufig eine um einen halben Gradsüdlichere Placirung der ganzen Landschaft Täka, als ich sie nach Burckhardt und Werne ange-nommen hatte.

Als orthographische Berichtigungen sind zu notiren:

In Arabien, 29° Br. Maazeh st.eh. 28° Br. Muelihh st. Mneldhh. Ochaidir als Di-minutivform neben Achdar (besser als A/ihdar).

24° Yanbö zwoimal aus Versehen aus englischer Orthographie beibehalten, währendsonst stets deutsch j geschrieben ist (also Janbo).

20° st. Schäka zweimal zu schreiben Schakkat.

19° Saduän st. des Stichfehlers Sadua.

17° Djazün st. Djtzän.

15° Sana, besser Sana« (oder Sanä). Marib , die berühmte alte Hauptstadt der Sa-bäer, ist jetzt noch ein kleines Ställchen, nicht blos Ruine, wie es die Karte be-zeichnet.

14° Dj. Remah , nicht Remaa. Mau.sc//idj st. Mausidj. Kattaba st. Kaataba.

Die jetzt zur englischen Telegraphenstation dienende Insel in der Meerenge heilstrichtiger Perim; dies ist ihr Dankali- (africanischer) Name, der arabische lautet Meiüm.Mit derselben Farbe ist als englische Besitzung jetzt auch die arabische KüsteninselKamarän, über 15° Br., zu bezeichnen; die ganze Küstenlandschaft dagegen bis zurMeerenge herab als von den Türken in Besitz genommen (wovon factisch nur dasInnere der unabhängigen Berglandschaft Asir ausgeschlossen ist), ebenso steht an derafricanischen Küste aufser Massaua noch das südlicher, aufserhalb der Meerenge ge-legene Zela unter einem vom türkischen Pascha von Jemen eingesetzten Gouverneur,ist also gleichfalls mit der rothen Farbe zu unterstreichen.

In unmittelbarer südlicher Nachbarschaft von Massaua und Harkikö (nicht_ka)

haben bekanntlich erst im laufenden Jahre zwei Punkte neues Interesse für Europa durch die französische Besitzergreifung erhalten: der Hafen der in Ruinen liegen-den altäthiopischen Handelsstadt Adulis , jetzt arabisch Mersä Bola genannt, ain West-ufer der Bai und das dieser Bai nördlich vorliegende Inselchen Bissi oder Deisi,dessen früher unwichtiger Name daher beizuschreiben ist.

In Habessinien, 14° n. Br., 1. Entitschau st. Entischau, Addigrat st. Ategerat. Ander Westgrenze 1. Ermetschoho st. Armatgioho; nach Heuglin ist Galabat Name derProvinz, Metemmeh der Hauptstadt, nicht umgekehrt, wie nach Rcitz Angabe in derKarte steht. Nördlich vom See Tzana 1. Tschelga, st. Scliilga.

In Nubien ist in der berichtigten Ausgabe (1859) der Name des östlichen Nilzuflus-ses zweimal falsch Abtara statt Atbara gestochen und in der Correctur übersehenworden.

Im Carton des Nil-Delta (bei dessen Mafsstab das Reductionsverhältnifs irrthümlichzu 1 : 1,000 000 statt 1 : 1,500 000 angegeben ist), zwischen den beiden Hauptarmendes Nil von N. nach S.: bei Tanta Bideh st. Bileli, bei Menüf Schenuän st. Scheu,bei Saidich XJmm Dinar st. Dinän zu setzen, O. davon der Provinzname KeljüMehst.lieh zu schreiben.

33. Africa, General karte.

Die aufserordentlichen Fortschritte in der Aufhellung des bis vor Kurzemnoch so unbekannten Inneren dieses Continents, welche die letzten Jahre fastvon allen Seiten her gebracht haben: ich erinnere nur an die seit dem Er-scheinen unseres Blattes im Jahre 1855 erfolgte vollständige Publication derWerke und Karten Barths und Livingstones, an die britische Benne-Expedition und die bereits allbekannten grofsartigen Entdeckungen Burtonsund Spelte s im äquatorialen Ost-Africa, haben auch in bereits früherwenn auch weniger sicher erkannten Einzelheiten das kartographische Bilddieses Erdtheils m den wemgen Jahren wieder dermafsen umgestaltet, daJsmit fast alleiniger Ausnahme der in den Specialblättern dargestellten Länder

der nördlichen Abdachung und der Küstenränder fast die ganze Zeichnung zurelormiren war und jeder Versuch den ersten Stich der Karte demgemäfs zuberichtigen, weil bei weitem der gröfste Tlieil des Inhalts durch neues hätteersetzt werden müssen, sich als unzweckmäfsig herausstellte. Die im Jahre1859 nöthig gewordene neue Bearbeitung ist daher m der leichter und schnel-ler herzustellenden, nach erfolgter Abnutzung leicht wieder bei ähnlich zuerwartendem Fortgange europäischer Forschungen gewifs schon in ein paarJahren durch Neustich zu ersetzenden Lithographie ausgeführt wordenund der für die Specialitäten africanischer Entdeckungen sich interessirendeLeser kann nur auf diese neue Ausgabe verwiesen werden, welche freilichin nicht langer Zeit in abermals berichtigter Gestalt ausgegeben werdenwird. Denn bereits haben die ersten Monate des laufenden Jahres nichtunwichtige neue Beiträge zur allmählig vorschreitenden A-Usfüllung der gro-fsen Lücken unserer Kenntnifs gebracht: Livingstones Entdeckung desSchirwa -Sees neben dem Scliire, dem nördlichen Nebenflüsse des Zambezi ,nebst etwas genaueren Andeutungen über die wahre Ausdehnung des viel-berufenen Sees Njassa (über den wir llo schers authentischen Berichten nochmit Spannung eiitgegenselm), du Chaillns Erforschung des vielverzweigtenStromgebietes an der äquatorialen Westküste, dessen Hauptmündung unterdem Namen Gabun bekannt ist, endlich Petliericks vorläufig noch etwasmysteriöse Reise von 1858 hlims eines westlichen Zuflusses des sog. weifsenNil (des Keilak oder Bahr el-Ada ) nach Süden hinauf angeblich bis zumAequator, über die wir zunächst vollständigere und mehr Zutrauen einflö-fsende Angaben abzuwarten haben, ehe wir sie als einen Gewinn für dieKunde des wahren Herzens von Inner.Africa in die Kalten emtragen dürfen.

Dem durch längeren Aufenthalt in Süd-Africa mit dieser Erdgegend vertrauten Hm. InspectorWallmann hierselbst verdanke ich für die zweite Ausgabe der Karte einige Namenberichtigungen:der westliche Nordzuflufs des Oranje Rivier oder Garib wird richtiger Aub geschrieben, als Kanub(Kanu/ ist ein Stichfehler), Klaarwater, ein aufser Gebrauch gekommener Name, heilst jetzt ge-wöhnlich Griquatown, die Volksnamen Griqua und Korana sind bereits Pluralformen, also wieNamaqna und das obsolete Quaiqua, ohne End-s zu schreiben; der Missionsort am Garib, der inder Karte (auf Miss. Dyks Autorität) Berlin genannt ist, heilst jetzt Pniel, die von den Englän-dern sogenannte Transvaal-Republik der ausgewanderten holländischen Boers nennt sich selbst nur,freilich mit sehr allgemeiner Bezeichnung, Südqfricanische Republik, endlich ist an der Ostküstevon dem Namen ICosa der Vorsatz Ama (d. i. Volk), der auch bei Zulu und Suazi weggelassenist, zu streichen.

FEL/ATA in Guinea ist natürlich Stichfehler statt FELL ATA; ebenda ist Bontok« (iin westl.Asehanti) und Waida (östlicher an der Küste), in S. Madagaskar der Flufsname Ongela/ze, beiZanzibar der Flufsname Luft« zu lesen.

AMERICA.

Mo. 36 - 40.

i Die Specialkarte der östlichen und mittleren unter den Vereinigten1 Staten No. 37, bei der wesentlich Coltons in New-York erschienener Atlas. zu Grande gelegt ist, besitzt vor diesem und allen bisher publicirten ameri-: (;aT nschen Karten für den Handgebrauch den Vorzug einer sorgfältigen Be-I nutzung der neuen, in ihren Resultaten mit grofser Liberalität vom Congresse: auch allen europäischen Sammlungen mitgetheilten Küstenaufnahme. Dafsder durch die Kleinheit des Mafsstabs der Hauptkarte, welcher eine, Angabealler durch Fabriken und Handel wichtigeren Orte in den enger bevölkertennordöstlichen Staten nicht zuliefs, nöthig gewordene Carton ohne Terrain-ausführung gelassen worden ist, hat seinen Grund in dem absoluten Mangelalles zu einer charakteristischen Terrainzeichnung in solcher Gröfse nur ir-gend brauchbaren Materials.

Nachträgliche Verbesserungen. Das Territorium Minnesota ist seit seiner Consti-tuirung als Stat (1858) auf die östlich vom Red River und dem 96 Gr. gelegeneHälfte des ehemaligen Gebietes beschränkt worden, während die Westhälfte bis zumMissouri jetzt das neue Territorium Dacotah bildet. (Diese Berichtigung gilt auchfür Bl 36 und 38.) In Cunada ist Bytown unter dem Namen Ottawa , am gleich-namigen Flusse (so richtiger als Ottawa geschrieben) neuerdings politische Hauptstadtgeworden.

Zu Bl. 3 8. Im westlichsten Tlieil der Britischen Besitzungen an der Küste desstillen Oceans, wo gleichfalls in Folge der neuesten Entdeckungen von Goldlagern dieColonisation schnell vorwärts geht, ist an die Stelle des älteren Namens New-Caledonia ,den die Karte noch zeigt, als officielle Benennung der neuen Colonie seit 1859 British Columbia getreten (eine Berichtigung, die auch No. 1, 3 u. 36 trifft); die eben erstangelegte schnell emporblühende Hauptstadt New Westminster liegt auf der Nord-seite des Fraser River , gegenüber der Stelle, wo unsre Karte Fort Langley hat; letzteressollte nach neueren Angaben 4 deutsche Meilen weiter stromauf liegen. I m Innern derBucht auf der südöstlichsten Spitze der gegenüberliegenden grofsen Vancouver-Insel ,welche noch eine besondere Colonie bildet, ist die im Entstehen begriffene Hauptstadtderselben, Victoria nachzutragen.

Eine 1860 berichtigte Ausgabe dieses Blattes enthalt aufserdem die Resultate derletzten im Norden auf britischem Gebiete in der Gegend der grofsen Seen und am Sas-katschawan, sowie der zwischen den Strömen Missouri und Nebraska und im nordwest-lichen Texas , endlich längs der Flufi$grenze gegen Mexico angestellten Regierungs-Expe-ditionen; auch für Californien haben die in den Dokumenten des U. S. Congresses ver-öffentlichten partiellen Aufnahmen vielerlei Berichtigungen, namentlich für die Gestalt,Gröfse und Lage der Seen Tulare und Mono gebracht. Den Ergebnissen der von denVerein. Staten nach dem Rio Colorado , durch eine der bisher unbekanntesten Gegendendes ganzen Continents gesandten Expedition, wild noch immer entgegen gesehn.

Ueber Mexico*) und Mittel-America nebst Westindien und denbenachbarten Theilen von Süd-America (Bl. 38. 39) kann ich ganz auf dieErläuterungen zu meiner in englischer Sprache publicirten Specialkarte dieserLänder in 6 Blatt (Berlin bei D. Reimer, 1858) verweisen, auf welcher auch .bereits (sowie in einem partiellen Umdruck daraus in der Zeitschr. f. alKErdk.) die jetzt gültige Eintlieilung von New-Granada in 8 Staten (estados,statt der in vorliegender Karte noch nach den altern Angaben abgegrenztenDepartamientos) freilich nur annähernd, da es bis jetzt an zuverlässigen Do-

*> In Mexico, am westlichen Rande der Karte ist zu corrigireu Tlaxcala statt des Stichfehlers