86 Zweytes Buch.
daß man weder eine bürgerliche noch geistliche Würde irrBaiern erhalten konnte, ohne sich vorher durch einenbesondern Eid zur Vertheidigung der katholischen Religionverpflichtet zu haben. Wer sich zu diesem Eide nicht be-quemen wollte, wurde in Gefängnisse geworfen, und lan«drsverwiefen. Kein Geistlicher erhielt eine Pfarre, ohn«fich vorher im Kollegio der Jesuiten einer Prüfung unter-worfen zu haben. Der Gebrauch des Abendmahles unterbeyden Gestalten, welchen Albert zuvor mit Bewilligungdes Papstes auf inständiges Bitten der Nation gestattet^wurde wieder abgeschaft, und alle diejenigen, die denKelch verlangten, als Ketzer verfolgt, in Gefängnisse ge-worfen, oder aus dem Lande vertrieben. Diese gemalt-thätige Vcrfahrungsart machte die Jesuiten äußerst ver-haßt. Allein der Herzog ließ sich von ihnen so unum-schränkt leiten, daß er selbst in ihr Kollegium gieng,um sie über den Verdruß, den ihnen das Klagen deSPublikums verursachte, zu trösten. Er ließ es nicht beydem Troste allein bewenden. Er überhäufte sie mit Schäz«zen; und bald war kein Flecken von Bedeutung mehr inBaiern, in welchem sie nicht ein Kollegium, ein Profeß-Haus, Residenz oder Seminar hatten.
Nicht weniger günstig zeigte sich Ferdinand, dernachmals seinem Bruder Karl V. in der Kaiserwürdefolgte, igegen die Jesuiten. Seine sklavische Unterwürfigkeitgegen den Papst, und zwar gerade zu einer Zeit, wo dieseUnterwürfigkeit für die Ruhe von Deutschland äußerstgefährlich seyn mußte, war so groß, daß er diesem keingefälligeres Opfer zu bringen glaubte, als wenn er mitaller Macht die Schritte der wohlthätigen Reformationhemmte. Er berief zu dem Ende die Jesuiten nach Wien,um das Licht des Evangeliums, welches sich auch schonin den österreichischen Provinzen auszubreiten anfieng,durch ihre finstere Scholastik zu verdrängen. Peter Ca -nisius, der überhaupt als der hitzigst« Gegner der Pro-