Geschichte der Jesuiten. 241
zu bemerken, daß der Eifer des Paters bey ihr eben so er«kaltcte, als er im Gegentheile bey verändern sich erwärmte.Die Eifersucht verdarb das Spiel. Die gekränkte Schwesterentdeckte das sträfliche Commerz des Jesuiten ihrem Bru.der, der sofort beyden Schwestern allen Umgang mit demRcctor, sowohl im Beichtstühle als außer demselben, der.bot. Diesem Beyspiele folgten bald mehrere Vater undEhemänner, so daß die Beichtstühle der Jesuiten in kurzerZeit leer stunden. Die Montepulicianer giengen nochweiter. Sie untersuchten die Sitten der Jesuiten und in.sondcrheit des Rectors noch genauer. Hier kamen nun ei.ne Menge galanter Liebesbriefe zum Vorschein, welcheGambar mit verschiedenen Frauenzimmern wechselte.Man erhub dem zufolge eine ordentliche Klage wider ihnbey dem bischöflichen Vicariate. Allein er ergriff dieFlucht, und Lainez stieß ihn aus dem Orden. Indeßhatten diese ärgerlichen Auftritte die Jesuiten in Monte«pulciano in so üblen Ruf gebracht, daß alle Bemühun.gen, die sie sich zwey Jahre hinter einander gaben, diewidrigen Eindrücke zu vertilgen, vergebens waren. Manentzog ihnen ihre Einkünfte, und sie hatten am Ende keinanderes Mittel übrig, als diese Stadt, mit aller Schan«de beladen, zu verlassen.
Die Jesuiten haben die Gewohnheit, alles, was ih«nen zur Last gelegt wird, mit unerschrockener Stirne znlaugncn. Es liegt ihnen ungewöhnlich viel daran, dieHoheit eines Ordens zu erhalten, dessen Glieder nach ih.rer verwegenen Behauptung nicht einmal geringer, undum so weniger schwerer Sünden fähig sind *), die garnicht verdammt werden können, und denen Christus in
») Die Gesellschaft bestrebt sich, auch vondenjenigen Feh«lern frey zu seyn, welchen die Menschen überhaupt, undvornehmlich das gemeine Molk unterworfen sind. Me«morial des Generals Ricci an den Papst Vene»dikt i. I. I 7 L 8 . vvm zr. Julius.
Gesch. d. Les. I. Bd.