»64 Viertes Buch.
zu thun war. Eine Menge sich widersprechender Ediktevon Seite des Hofes setzte die Faclioncn in Mißtrauen,und die Ungewißheit des Schicksals, worin jeder einzelneBürger schwebte, erfüllte ganz Frankreich mit Schrek-ken und Rache. Man hatte sich lange schon herumgeschla-gen, als der Hof die Überlegenheit der Huguenottcn zuempfinden anfing, und ihnen durch ein feyerkichcs EdiktEewissensfreyheit in Ansehung ihres Lehrbegriffes anbot.
Allein man schien in jenen unruhigen Zeilen alle Be-griffe von Worthaltung und von der Heiligkeit der Ver-trage verloren zu haben. Die fürchterliche Kabale der Gui.sen, von welcher die Königin geleitet wurde, entwickelte in derStille den verruchten Plan jener grausamen Meukerey, inwelcher gerade zu einer Zeit, alsParis und ganz Frank-reich über die Vermahlung eines königlichen Prinzen Se-gen von, Himmel erflehte, mehrere taufend HuguenottenMit der unmenschlichsten Grausamkeit ermordet wurden.Ich rede hier von der Dluthochzeit, oder von der in derGeschichte bekannten Bartholomäusnacht i.J.1572,in welcher die verräthcrische Ermordung des um Frank-reich so verdienten Coligny der Anfang eines allge-mein erfolgten Würgens zwischen Aeltern und Kindern,zwischen Freunden und Feinden wurde. Man kann dieGeschichte dieser beyspiellosen Verrathercy, so wie sieThuqn im zwey und fünfzigsten Buche seiner Zeitgeschichteaufgezeichnet hat, ohne Rührung nicht lesen. GanzeStröme Bürgerbluts flößen durch die Straßen von Pa-ris, auf welchen die Leichen von Menschen aus allenStanden und Geschlechtern, und selbst von schwängernFrauen aufgethürmt zum freudigen Schauspiele eines Ho-fes lagen, der sich dieser Verratherey als eines Meister-stücks seiner Politik erfreute. Die Königin, die zum TheilUrheberin dieser die Nation so entehrenden Meuterey ist,schien selbst die Häßlichkeit derselben gefühlt zu haben. Sietraute ihrem Sohne Karl IX. nicht genug grausame Ee»