Geschichte der Jesuiten. lZA
Man glaube nicht, daß den Jesuiten hierin zu, vielaufgebürdet wird. Dieses ist der natürlichste Gang derSache. Um ein Land, das ganz von sogenannten Ketzernüberschwemmt war, unter das Joch der römischen Kirchezu bringen, durfte man sich, zumal nachdem dessen Be-wohner durch ihr mißlungenes Waffenglück muthlos ge-worden, auch der unerlaubtesten Kunstgriffe bedienen.Dazu kam noch der Begriff, den man damals von der böh-mischen Rebellion hatte. Es konnte der siegenden Partheywenigstens in demselben Augenblicke, nicht verarget wer-den, wenn sie ihr Siegerrecht mit Nachdruck die Rebellenempfinden ließ. Gleichwohl aber versichert man, daß esFerdinanden mehr um die Ausrottung der Ketzereyen,als um die wirkliche Unterdrückung der ständischen Privi«legten im Königreiche zu thun war. Man weiß aber auch,daß sich ehemals die Völker für ihre persönliche Freyheitbey weitem nicht so nachdrücklich, als für ihren Glaubenzu vertheidigen gesucht haben, und ist vielleicht eben dieseseiner der wichtigsten Gründe, warum der hierauf erfolgteKrieg mit so außerordentlicher gegenseitiger Erbitterung soviele Jahre hindurch geführt wurde.
Die glücklichen Progresse, welche die Jesuiten allent-halben machten, nnd vornamlich die verschwenderische Gunstdes Hofes verleiteten sie, immer tiefer und weiter um sichzu greifen. In dem stolzen Bewußtseyn ihrer Stärke undUeberlegenheit wagten sie auch den Versuch, sich die Uni-versität von Prag, die sehr reiche Einkünfte hatte, unter-würfig zu machen. Diese wurde von Karl IV. gestiftet.Zufolge der hierüber ausgefertigien Stiftungsurkunde solltedie Würde eines beständigen Kanzlers mit aller damit ver-bundenen Gerichtsbarkeit dem jedesmaligen Crzbi-chof vonPrag eigenthümlich bleiben. Allein da die Jesuiten durcheine Menge päpstlicher Bullen in dem Besitze des sonder,baren Vorrechtes sind, weder einer weltlichen noch geistli-chen Gerichtsbarkeit, unterworfen zu seyn: so mußten sie