Band 
Zweyter Band.
Seite
166
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Siebentes Buch.

Verzicht thut, den Grund, worauf seine Religion ruht,mit eigenem Verstände zu prüfen, und sich durch eigenePrüfung eine innere Ueberzeugung von den Wahrheitenseines religiösen Lehrbegriffs zu verschaffen. Dieses Vor«recht der protestantischen Kirche ist mit zu vielen Opfernerrungen worden, als daß man es sich so leicht auf demWege der Gewalt entreissen lassen könnte.

Aber gerade deswegen suchte man mit heimlicher Listzu gewinnen, was mit offenbarer Gewalt nicht gewonnenwerden konnte. Ein unseliger Hang zum Mystizismus undzum Geheimnißvollen gab schlauen Betrügern eine über«aus günstige Gelegenheit, sich bedeutenden Einfluß aufdie religiöse Denkungsart ihres Zeitalters zu verschaffen.Sie schienen wahrzunehmen, daß sie durch gewöhnliche Ue«berredungskünste im öffentlichen Umgänge mit Menschennur sehr wenige gelehrige Jünger finden könnten. Ausdieser Ursache vielleicht suchten sie sich in geheime Ordens«Verbindungen einzuschleichen, und aus der nämlichen Ur-sache geschah es ohne Zweifel, daß über das mystischeDunkel , in welches diese Gesellschaften ihre sogenanntenMauerrischen Arbeiten hüllten, ein römisch»katholisch. reli«giöser Schleier geworfen wurde. Es geschah dieses Wohlkaum der katholischen Mitglieder wegen. Die meisten ausdiesen konnten doch wissen, was es mit der römischkatho«lischen Kirche für eine Beschaffenheit habe. Aber seinenBetrügern, die als unsichtbare Hebel die Maschine in Be-wegung setzten, konnte nicht leicht der Vortheil entgehen,der sich gewinnen ließ, so bald man durch mystische Deu-tungen dunkle Gefühle, und durch diese eine gewisse schau-derhafte Ehrfurcht für geheimnißvolle Worte und Zeichenzu erregen versteht*).

Der gelehrte Bibliothekar Biester in Berlin, und seinFreund Friedrich Nikolai, haben sich durch eine fast.zwanzig Jahre fortdauernde aufmerksame Untersuchung über