Geschichte der Jesuiten. 177
welche den Absichten des römischen Hofes zu statten kom»men konnten. Unter KarlV. Regierung geschahen schonmittelst der Reformation wichtige Schritte zur Aufklärungdes gemeinen Mannes. Man ficng damals an, gesundeBegriffe von der Religion zu bekommen. Das ärgerlicheLeben der Pfaffen öffnete dem gemeinen Manne die Augen,und die Vorwürfe, die man dem lasterhaften Wandel derPapste machte, benahmen diesen außerordentlich viel vonihrer vermeintlichen Heiligkeit. Aus dieser Ursache geschahes denn auch vornämlich, baß schon Karl V. auf dieAufhebung des Priestercölidats, und das Volk auf denGebrauch des Abendmahls unter beyden Gestalten, mitnachdrücklichem Ernste drangen. Was für Kunstgriffesich die Jesuiten bedienten, beydes zu verhindern, ist auSder Geschichte hinlänglich bekannt. Den Gebrauch desAbendmahls, den der Papst aus Zwang bewilligte, ent-rissen sie den Baiern und Oestreichcrn mit Gewalt wieder;und die Pricsterehe, die dem Systeme des römischen Hofesdie gewaltsamste Erschütterung beygebracht hatte, wußtensie durch heimliche Intriguen am kaiserlichen Hofe zu hin»tertreiben.
Eben so hatten sich auch einige deutsche Bischöfe un-mittelbar nach der Information bestrebet, verschiedeneMißbrauche, die sich sowohl in Kirchengcboten als in deinGottesoienste eingeschlichen hatten, abzuschaffen. Mandrang auf Einschränkung der Fasten - und Abstinenzge-böte, auf die Einführung der Volkssprache in Gottes-dienste, auf Verminderung der vielen Feyertage, auf einenreinen und dem Evanqelio angemessenen Kanzelvortrag,auf die Abstellung der Mißbräuche im Ablaßwesen, inWallfahrten und Prozessionen, im Bilderdienste, undüberhaupt in allen Stücken, wodurch der Verstand desVolkes mit den groben Begriffen deö Aberglaubens betäu-bet wurde. Die Absichten dieser katholischen Reformato-ren waren allerdings höchst rühmlich. Allein den Jesuiten
Kitsch, d. Jes. II. W. 12