Geschichte der Jesuiten. 2;;
durch Streiche dieser Art erschüttert werden konnte. Ihraußerordentlicher Kredit am Hofe, an welchem man be-reits anfieng, nach und nach das Ansetzn der Magistrat»'rev und mit diesem die Freyheit des Volks zu untergraben,machte sie ganz gleichgültig gegen Verweise und Züchtigun,gen, die sie von Zeit zu Zeit von dem Parlemente erhielten.Sie ließen sich Verweise geben, und schwiegen, weil sie esfür eine überflüßig« und vielleicht gefährliche Sache hielten«sich zu vertheidigen, nachdem der Hof stillschweigend ih.nen Beyfall gab. Alles gieng hierin seinen natürlichenWeg. Die Königin, eine geborne Italienerin, ein bigvt-tes, und dem römischen Stuhle enthusiastisch anhangen-des Weib; ein König, der sozusagen noch kaum auS denWindeln gekommen war, und Höflinge, die aus Rang-sucht und aus Weichlichkeit nach Reichthümern strebten— wie Vortheilhaft mußte nicht so ein Wirkungskreis fürdieZesuite» seyn, welche in den Intriguen der Höfe bereitsausgelernt Meister waren, und sich so treflich auf dieKunst verstunden, die Schwachheiten und Leidenschaftender Großen zu ihrem Vortheile zu benutzen! Was ihrenEinfluß ungemein verstärken und sie allermeist furchtbarmachen mußte, war der Umstand, daß die Hofjesuitenschon damals über den größten Theil der Pfründen undgeistlichen Benefizien frey zu disponiren das Recht hatten.Dadurch hatten sie fast alle Geistlichen auf ihre Seite ge.bracht, oder zu niederträchtigen Schmeichlern herabge-würdigt *).
Was auf der in den Jahren 1614 und 1615 gehal.tcnen Ständcversammkung vorgieng» ist ein sehr merk.barer Beweis von dem außerordentlichen Uebergewichte,welches sich die Jesuiten vornämlich über den geistlichenStand zu verschaffen wußten. Sie waren damals die ge-heime Maschine, wodurch dieser Stands in Bewegung
') Iblck. .1. c.