Z54 Achtes Buch.
wurde. Cs war ihnen unerträglich, daß nicht alle Theo«logen und die ganze Kirche sich nach ihrem Sinne bequem«ten. Sie wollten die alleinigen Lehrer des Menschenge«,schlcchts seyn. Alle, auch die entferntesten Angriffe ihrerCittcnlchre, sahen sie für Beleidigungen ihres Ordens an,die derselbe nicht ungerochen dulden konnte. Zwar hattePapst Jnnozcnz XII. die Quesncl sehen Anmerkn»,gen orthodox gefunden, mehrere französische Bischöfe,und unter diesen auch Benignus Bosfuer, dieselbenihren Diöcesanen empfohlen, und sogar die Sorbonnenichts darin entdeckt, was dem Lehrbegriffe der Kircheentgegen seyn könnte *). Schon zwanzig Jahre wurdedieses Buch mit Erbauung und mit Beifall gelesen. Nochharten es selbst die Jesuiten nicht gewagt, öffentlich da-gegen aufzutreten. Allein nunmehr zogen sie ihreMaske mit mehrerer Kühnheit vom Gesichte weg. Umden Cardinal zu beschimpfen» streuten sie Pasquille, diesie in den Niederlanden drucken ließen, in Jrank-
') Die Jesuiten haben durch die Angriffe, die sie aufdaSQues-nelsche Testament wagten, ihrer Sittcnlchre eine», empfind-lichen Streich versetzt. Denn die Anhänger des QueS-nel wurden durch die Verfolgungen, die man sie empfindenließ, aufgelodert, sich zu vertheidigen. Dieß geschah aber aufeine Art, daß eö dem Orden weit vortheilhaster gewesen wäre,nie Quesnelsche Ketzereyen entdeckt zu haben. Denn dieVerfasser des kostbaren Weites, welches 1621 zu Amster-dam in acht Quartbänden unter dem Titel xeeruckt wurde:I.es Ilexsples o» les six coluttunes rur la Lvlixlilulion Iliii.xeMuis, haben mit einein bewnnderiwwürdigen Fleiße alle-gesammelt, was die Jesuiten bis auf diese Zeit in der Moralgegen den Sinn der Kirche lehrten. Man bekömmt in diesemWerke einen ziemlich vollständigen Begrif von der Jesuircnmo-ral, und man ersiehl darin, wie sie nicht nur die ganze Dog-marik der .Kirche, sondern überhaupt alle Gründe der Sittlich-keit, ja selbst alle Tugenden, deren der Mensch fähig ist, überden Haufen werft«.