Band 
Zweyter Band.
Seite
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6 ' Neuntes Buch.

verschiedenen Malen die öffentlichen Blatter vor, worinihre Schwangerschaft bezweifelt wurde. Aber sie begnügtesich, weiter nichts darauf zu antworten, als: SolcheLeute,welche sie eines so schändlichen Vorha»bens fähig hielten, wären nicht werth, daßman sich die Mühe gebe, sie eines andern zuüberzeugen *). Sie konnte allerdings gegen die Ver«fasser solcher Schriften stolz thun. Aber ihrer und derEhre des Königes mußte es doch allerdings daran gelegenseyn, in einem Falle von dieser Art auch dem allergering-sten Argwohn abzuhelfen. Es hätte sie das Beyspiel derKaiserin Konstanzia, Gemahlin Kaiser HeinrichsVI. an solche Schuldigkeit erinnern können. Als diese ineinem Alter von 52 Jahren schwanger wurde, verlangtesie auf öffentlichem Platze vor den Augen des gcsammtenVolkes entbunden zu werden, um die Geburt ihres Kindesaußer allen Zweifel zu setzen. Allein die Königin von Eng-land vernachlässigte nicht allein wahrend ihres Schwan-grrfcyns alle Gelegenheiten, den Verdacht zu widerlegen,der sich wider die Wirklichkeit desselben erhoben hatte; son-dern sie nahm auch bey ihrer Niederkunft ein so zweydeu-liges Betragen an, daß jedermann mit allem Rechte denschon vorhin geschöpften Argwohn für etwas mehr als nurfür bloße Muthmaßung annehmen durfte. Man hattedie Prinzessin von Dänemark aus einem nichtigen Vor-munde voin Hofe entfernt, um bey der Niederkunft nichtzugegen zu seyn. Die Entbindung ging gerade zu einerZeit vor, in welcher alle protestantische Kammerfrauen inder Kirche waren. Das Bert der Königin war sorgfältigverschlossen, und der König stand im Gefolge seiner Kava-liers weit genug entfernt, um nicht wahrnehmen zu tön-ncn, was hinter den Gardinen vorging. Nur ein einzi-geSmal schrie die Königin, als eine Frau, die Geburts-schmerzen leidet, stark auf, und den Augenblick rief die') Daselbst. I. c- S. 260.