Geschichte der ^ Jesuiten. »6;
„Das gute Herz ist, was Sie am mehresten an IhrenLeuten zu suchen, und am sorgfältigsten zu bilden haben.Aber nicht der, welcher sich dessen rühmt, hat es. Es gehtdamit, wie mit der Gesundheit. Man merkt sie nicht, solange man sie hat. Wer seine Ohren nicht denWehklagen der Elenden, sein Herz nicht demsanften Mitleiden verschließt; wer der Un-glücklichen Freund und Bruder ist; wer alleKreaturen liebt; wer mit Vorsatz auch nichtden Wurm zertritt, der sich unter seinem Fußekrümmt; wer ein Herz für Liebe und Freund-schaft hat; wer standhaft in Widerwärtigkei-ten, «»ermüdet eine angefangene gute Sachedurchzusetzen, unerschrocken in Ueberwindungvon Schwierigkeiten ist; wer des Schwächer«nicht spottet; wessen Seele fühlbar für großeEntwürfe ist, begierig sich über alles nie-drige Interesse zu erheben, und durch großeWohlthaten auszuzeichnen; wer den Müßig-gang flieht; wer keine Art von Kenntnissenfür unnütz hält, welche er zu erlangen Gele-genheit hat, aber Mcnschenkenntniß seinHauptstndinm seyn läßt; wer, wo es umWahrheit und Tugend zu thun ist, sich überden Beyfall des großen Haufens hinwegzu-setzen, und seinem Herzen zu folgen Muthhat: — Das ist der Mann für uns. Und nachdiesem Maßstabe müssen Sie Ihre Untergebenen bilden, ihreSeelen erweitern, sie vom Niedrigen ablenken. Wer zu sehram Kleine» hangt, einen zu engen Gesichtskreis hat, undnicht sich über die engen Verhältnisse hinaussetzen kann, derist uns unnütz."
»Lese» Sie mit Ihren Untergebenen gute, leicht be-greifliche, seelenerhebende Bücher. Reden Sie viel mit ih-nen, aber nicht aus dem Kopfe, sondern aus dem Herze».