Geschichte der Jesuiten. 167
„Fangen Sie mit Ihren Leuten von kleinen Versuchenan; werfen Sie ihnen leichte Fragen im Umgänge auf, diedahin abzielen, wie man den Menschen aller Verstellung un-geachtet ausforschen scll. Im Anfange müssen die Frage»leicht seyn, so, daß die Beantwortung gleich mündlich gesche-hen kann. Und da Sie sehen, wie viele Mühe es kostet, dieMenschen dahin zu bringen, wo man sie erwartet; so ver-säumen Sie zwar keine Gelegenheit, überall, so viel Siekönnen, gesunde Grundsätze zu verbreiten, Muth und Ent-schlossenheit zu erwecken; aber merken Sie sich dabey: Mankömmt mit der Menge nicht zurecht. Wer Alle ändern will,ändert Niemand. Daher theilen Sie sich in diese Arbeit mitden Mitgliedern dieses Grades an ihrem Orte. Suchen Sie sicheinen, zwey, höchstens drey Minervalen anS, bey denen Sieam mehrcstcn Ansetzn und Kredit haben, denen Sie am meh-resicn gewachsen sind. Aber diesen schenken Sie alle IhreMuhe und Sorgfalt. Sie haben gewiß etwas Gro-ßes gethan, wenn Sie drey gute Menschen inIhrem Leben gebildet haben."
„Sagen Sie es allen Ihren Leuten ohne Scheue undBedenken, daß der Orden Niemand bitter, einzutreten oderdarin zu bleiben. Es ist ihm gleichgültig, ob er wenige oderviele Mitarbeiter hat, ob sie reich oder arm, Fürsiensöhneoder Handwerker sind. Hohe und Reiche sucht er am aller-wenigsten, denn sie schlagen selten gut ein. Gewöhnlich ver-hindern sie ihre Glücksumstäude und Lagen einzusehen, wienöthig ein Mensch dem andern sey; und eben darum sind sieselten gute Menschen."
„Nähren Sie bey Niemand betrügliche Hoffnungen.Versprechen Sie wenig, um viel leisten zu können. DemNiedergeschlagenen machen Sie Mmh; bey dem gar zu Wü-thigen suchen Sie durch Bedenklichkeiten und Vorstellung derGefahren das Uebermaß einzuschränken. Im Unglücke sollder vernünftige Mann hoffen, und im Glücke fürchten."