Geschichte der Jesuiten. 169
setzen, und gewöhnte die Leute, unter dem Verwände Men-schenkenner zu werden, sich gegenseitig unbemerkt zu belau-schen und auszuspioniren. So wie durch Beichte, heimlicheAngebungen und durch ordentliche Korrespondenz der Subal-ternen mit ihren Vorgesetzten bey den Jesuiten einer der Vcr-rathcr des andern wurde, und so wie das Hanpt der Gesell-schaft, an welches institutmäßig alle diese Beichten, heim-lichen Angebungen und Korrespondenzen eingesandt werdenmußten, die Schwachheiten und Eigenschaften eines jedenIndividuums seines Ordens kennen kernte; so hatte Wcis-haupt blinde Unterwerfung gefordert, und ein Belauschender schwachen und guten Seiten jedes Ordensgliedes einge,führt, dessen Resultat an ihn, als den unsichtbaren Obern,gelangen mußte. Man begreift es sehr leicht, und, werdas Institut der Jesuiten kennt, überzeugt sich um so ebcr,daß eine solche Einrichtung höchstens nur dann unschädlichund von guten Folgen seyn könne, wenn die unsichtba-ren Obern redliche Männer sind, und wennüberhaupt der Orden unschädliche Zwecke be-absichtet, und erlaubte Mittel anwendet,diese zu erreichen.
Weishaupt war gewiß ein eben so redlicher, als tief-denkender und einsichtsvoller Mann; und die Absichten, mit-telst einer geheimen Verbindung durch sukzessive Fortschrittein Religion und Politik Aufklärung zu verbreiten, waren al-lerdings höchst ruhmwürdig; allein der sklavische Gehorsamund das s)ulbuL lioet Zcttelchciiniachen hatte immer etwasVerhaßtes an sich, das den gebildeten und denkenden Kopfabschrecken mußte, in eine solche Verbindung zu treten. Esist zwar nicht zu längnen, daß durch eben dieses Zetrelchen-machen und dergleichen Arbeiten junge Leute auf sich undihre Nebenmenschen aufmerksam wurden, und sich frühzeitigFertigkeit erwarben, Menschen und Charaktere beurtheilen zukönnen; allein von der Zeit an, als schon erwachsene undausgebildete Männer in den Orden traten, wurde das