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Das Schweinefett wurde, so wie alle übrigen Fette des Thier- undPflanzenreichs, lange Zeit für einen einfachen Stoff gehalten. Diefranzösischen Chemiker Chevrenl (Trommsd. I. d. Ph. XXIV. i. S,1Z7., XXV. 2. S. ZS6., u. N. 3. II. 2, S, 212.) und Bracon-not (Trommsd. I. XXV. 2. S. 307) haben das Verdienst, zuerstnachgewiesen zu haben, daß jedes Fett aus zwei Substanzen bestehe, wel-che hinsichts der Consistenz, der Schmelzbarkeit und der Auflöslichkeitin Alkohol von einander abweichen. Die mannigfaltigen Verhältnissedieser beiden Stoffe bilden die verschiedenen fettigen Körper,
Die Scheidung, dieser beiden Substanzen wird bewirkt, indem manflüssige Fette, z. B. das Olivenöl, erkältet bis zu dem Grade, bei welchemsie zum Theil fest werden, das Flüssige durch Abgießen und Pressen vomFesten trennt, aufs neue erkältet, abgießt u. s. w., und mit dieser Ver-fahrungsweise so lange fortfährt, bis das ausgeschiedene Flüssige hei einerTemperatur von — 8° R, nicht mehr erstarrt. Dieser Bestandtheil istvonChevreul Eläine, Oelstoff genannt worden. Bus festen Substanzen,als Schmalz, Talg u. s. w. scheidet man die Eläine durch gelindes Er-wärmen und Pressen zwischen Fließpapier; das eingesogene Oel scheidet manvom Papier durch Aufweichen in Wasser und Auspressen, oder durchs Ko-chen mit Wasser, und trennt den letzten Antheil festen Fettes durch Erkälten,wie vorhin. Oder man löst das Fett in heißem absoluten Alkohol, aus wel-chem beim Erkalten das feste Fett, von Chevreul Stearine, Talgstoffgenannt, berauskrystallisirt in Gestalt kleiner seidenartig glänzender Nadeln,welche durch wiederholtes Auflöse» in Alkohol von allem Oele gereinigt wer-den müssen. Durch Verdunsten des Alkohols wird die Eläine erhalten.
Die Eläine, der Oelstoff, hat folgende Eigenschaften. Sie ist flüssig,theils farblos, theils gelblich oder grünlich, geruchlos und von mildemGeschmacke; in der Kälte erstarrt sie butterartig, jedoch bei sehr verschie-denen Graden, die meisten bei — 8 bis 12° R. Die Eläine aus Mandel-öl und Nepsöl gefriert nicht in der stärksten Kälte. In der Luft bleibtsie schmierig, verdickt sich mit der Zeit salhenartig, und wird im unrei-nen Zustande leicht ranzig, mit den Alkalien bildet sie weiche Seife. Sie istder Hauptbestandtheil der flüssigen, schmierig bleibenden Oele und zeigt inFarbe und Geruch einige Verschiedenheiten nach den Fetten, von welchensie gewonnen worden. Sie hat eine spec, Schwere von 0,913 bis o,gis.
Die Stearins, Talgstoff, oder der reine Talg, ist weiß, trockenerund brüchiger, aber nicht so biegsam wie Wachs, leicht pulverisirbar,schmilzt bei 38 - 40° Wärme und gesteht beim Erstarren zu einer durch-scheinenden strahligen Masse. Sie ist geschmack- und geruchlos, undwird im unreinen Zustande nicht so leicht ranzig wie die Eläine; imreinen Zustande verändern sich beide nicht an der Lust. Alkalien versei-fen den Talgstoff langsamer als den Oelstoff, und bilden damit harteSeifen. Die Stearine bildet den Hauptbestandtheil der festen Fette,Talgarten, der Butter u. s. w. Spec. Schwere 0,968.