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ähnlichen Geruch. Die Frucht, deren jede Traube oft r-M bringt,ist eine bei der Reife purpurrothe Steinfrucht, die unter der weichenfleischigen Hülle einen rundlichen nierenförmigen braunen Saamen bringt.
Diese Früchte sind schon von alten Zeiten her unter dem NamenOoccuti infllci, Locculi pi'scstorii , in den Officinen gehalten worden!doch wurden sie fast nie als Heilmittel angewandt. Sie besitzen einensehr starken bittern Geschmack und gehören zu einer eigenen Classe dernarkotischen Gifte, die das Vittergift (Pikrotorin) enthalten, welches seineWirkungen vorzugsweise auf das Rückenmark äußert.
Boullay (Schweigst. I. VII. 1815. S.5Ü5.), der. die KokkeM-ner zum Gegenstände chemischer Untersuchungen machte, hat schon iinJahre 1812 diesen giftigen Bitterstoff rein und isolirt dargestellt, und ihnmit dem Namen Pikrotorin belegt, und die wichtigsten Resultate, die erbei dieser ersten Untersuchung erhielt, sind 1 ) daß die holzige Hülle derKokkelskörner aus Holzfaser und einem gelben brecheuerregenden Stoffebesteht; 2 ) daß der Kern etwa aus der Hälfte eines butterartigen Oeles,feinem Eiweiß (thierisch - vegetabilischer Materie), gelber Farbesubstanftetwa 0,2 einer bittern krustallisirbaren Substanz; 0,5 Faserstoff, Wanzen-saure, die sich als Aepfelsäure zu erkennen gab, schwefels. und salzs. Kali,Phosphors. Kalk, Kieselerde und Eisen besteht. Im Jahr 1818 , nachdemdie Alkalität des Morphiums durch Sertürner festgestellt war, erklärteBoullay (Laschend. 1820 . S. 122 . und Gilbert's Annalen 5Z. MS-S. 815.) auch das Pikrotorin für ein Alkalvid, welches an eine eigen-thümliche Säure, die er früher für Aepfelsäure gehalten, gebunden sey,für welche Säure er den Namen Menispermsaure in Vorschlag brachte.
Diese Angaben Bonllay's wurden von Pettenkofer (Buchn.Repert. VII. S. 76.) größtenthcils bestätigt.
Später wurden die Versuche Boullay's auch von Casus««(Buchn. Repert. XXIll. 5 . 1826. S. 454.; Trommsd. N. I. XII. S.S.125 . und Geiger's Magazin. April 1826. S.67.) wiederholt. Er bereitetevon zerquetschten Kokkelskörnern mit destillirtem Wasser ein starkes De-rart, filtrirte und dampfte zur Ertractconsistenz ab, wobei soviel als mög-lich das Fett, welches auf der Oberfläche der Flüssigkeit erschien, abgenom-men wurde. Das so erhaltene Ertract wurde mit heißem Alkohol behandelt,welcher die bittere Substanz auszog, und eine braune Materie zurückließ.
Die geistige Auflösung mußte das menispermsaure Pikrotorin enthalten,weil die unaufgeloste Substanz nicht mehr bitter war. Die Flüssigkeit wurdeabgedunstet; gegen die Mitte der Operation röthete sie das Lackmuspapierund am Ende sonderten sich Tröpfchen von grünlichem Fett ab. Dieses Fettröthete Lackmus und war ein Gemisch von Oel und Margarinsäure. Derertractartige Antheil war im Wasser auflöslich. Diese Auflösung warnicht sauer, und es konnte aus ihr auch keine Säure abgeschieden werden,und Casaseca glaubt, daß die Wirkungen, die Boullay der Mem-spermsäure zuschrieb, wohl von einem Gemische von Schwefelsäure rmt