/
8t. lANstia 50/
furchtbar heftige Wirkungen. Es war also nicht länger zweifelhaft, daßdiese Substanz als das wirkende Princip der Jgnazbohnen zu betrachtensey. Sie fand sich auch in der fetten Materie, welche, durch Kochen mitsalzs. Wasser davon befreit, keine giftigen Eigenschaften mehr zeigte.
Die bittere krystallinische Substanz, zweckmäßig Strychnin ge-nannt, mußte sich auch in den Krähenaugen finden, welche Vermuthungdurch die Erfahrung bestätigt wurde.
Das durch Krystallisation aus der geistigen mit wenig Wasser ver-dünnten Lösung gewonnene Strychnin stellt fast nur mikroskopische Kry-stalle dar, vierseitige Prismen mit vierseitigen pyramidalen Endspitzen.Bei einer schnellen Ausscheidung erscheint dasselbe weiß und körnig. DerGeschmack ist unerträglich bitter, hintennach etwas analog dem von Me-tallsalzen. Es ist geruchlos. An der Luft erleidet es keine Veränderung.Es ist weder schmelzbar, noch unverändert zu verflüchtigen, vielmehrwird es durch die Hitze verkohlt, und zwar schon bei 312 — 3 l 5 °C. InWasser ist es beinahe unlöslich, scheint auch kein Hydrat zu bilden. Bei
Temperatur erfsdert es 6867 , in der Siedehitze 2500 Th. Wasserzu seiner Auflösung; bei 6W,0»0facher Verdünnung ist der Geschmacknoch merklich bitter. In Alkohol ist es leicht auflöslich, auch in ätheri-schen Oelen; dagegen sehr wenig löslich in Schwefeläther. Bei der trock-nen Destillation giebt es etwas brenzliches Oel, Essigsäure, kohlensauresGas und gekohltes Wasserstoffgas, scheint hiernach keinen Stickstoff zuenthalten, der sich indessen nach der Analyse der Herren Dumas undPelletier (Berl. Jahrb.XXVl. 1. S. 117 . und Schw. N.I. X. S.8 g.) doch darin findet, denn das Strychnin besteht aus Kohlenstoff 78 ,rs;Stickstoff 8 , 92 ; Wasserstoff 6 , 5 s; Sauerstoff 6 , 38 . Mit Säuren gehtes Verbindungen ein, und neutralisirt dieselben. Die Strychninsalze sindalle in hohem Grade bitter, leicht löslich in Wasser und krystallisirbar,als schwefelst, salzs., Phosphors., essigst, Weinsteins, und kleesauresStrychnin, von denen jedoch keines offtcinell geworden ist.
Von verdünnter Salpetersäure wird das Strychnin gleichfalls auf-,gelöst, krystallisier in Nadeln, und wirkt heftiger auf den thierischenOrganismus, als das reine Strychnin. Die concentrirte Salpetersäurefärbt dagegen sowohl das reine Strychnin, als auch die Strychninsalzeblutroth, und es entwickelt sich dabei der Geruch nach Salxetergas.Die Farbe geht allmälig in Gelb, und zuletzt in Grüngelb über. Durchfortgesetzte Einwirkung entsteht Oralsäure.
Als die Verst später das vpsr lieuts , dieses schreckliche Gift, dessensich die Einwohner des indischen Archipels zur Vergiftung ihrer Pfeilebedienen, zerlegten, fanden sie, daß das Strvcbnin in demselben enthalten,und als das wirksame Princip darin zu betrachten sey. Das hier ausge-schiedene reine Strychnin zeigte nicht die Eigenschaft, die Salpetersäure rothzu färben, und die Verst überzeugten sich, daß diese Eigenschaft einer vondem Strychnin verschiedenen gelben Materie zukomme, mit welcher ersteres