100 Allgemeine Naturgeschichte. I. Buch.
jene Urkraft, Gott, aus der sie sämmtlich geflossen sind.Die Vernunft, für welche Sein Dasein trotz aller Sophismeneines bald läugnenden, bald beweisenden Verstandes unver-rückbar fest steht, gleich der Sonne, sei sie unter oder überdem Horizont — ist das einzige Vermögen, welches seineBeschaffenheit zu ahnen vermag, weil sie verwandter Natur ist.
H Hauptstürk.
Gott nach seiner doppelten Existenz.
Gott der Alleinige, eristirt in zweierlei Richtung undArt; in einer höchsten den Sinnen verborgenen Einheit undeiner unendlichen diesen erscheinenden Vielheit.
In der ersten ist Er die über der Natur stehendePersönlichkeit und Richter in der moralischen Welt, inder zweiten gestaltet er die Natur und wird deren Schöpferund Erhalter.
Gott, als über der Natur stehende Persönlichkeit ist dasUrwahre, Urgute und Urschöne, ausgesprochen in der voll-kommensten Individualität und höchsten Einheit beialler Verschiedenheit seiner Harmoniken den Eigenschaften.Für Ihn ist keine Kausalität vorhanden, in Seinem Sein ent-stehen keine Gegensätze. Gottes Sein ist ein Sein schlechthin;ein alleiniges Sein ohne Ursprung und Ende, und über Raumund Zeit. Alle untergeordneten Geister erkennen nur größereoder kleinere Theile des Universums in verschiedener Vollkom-menheit, je nach ihrer eigenen: Gott, die unendlicheIntelligenz vermag Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftaller Dinge des Weltalls in einer einzigen Vorstellung an-zuschauen. — Alle Kämpfe, alle Veränderungen der Naturreichen nicht an die Höhe Seines Wesens und vermögen Seineewige Klarheit und Ruhe nicht zu trüben. Erst da, wo sinn-liche und übersinnliche Welt sich trennen, wo Freiheit undWahl, mit ihnen Gutes und Böses eintreten, beginnt dieWirksamkeit Gottes als über der Natur stehender Persönlichkeit.