340 Allgemeine Naturgeschichte, iv. Buch.
Mond erfolgt täglich 2 Mal/ im obern und untern Meridian;daher muß (sagt man) Fluth und Ebbe täglich 2 Mal wiederkehren.Etwa 6 Stunden des Tages währt die Fluth/ wobei das M.steigt/ die flachen Ufer überschwemmt/ die Flüsse an ihren Mün-dungen aufstaut; nach Erreichung seines höchsten Standes/ auf demes einige Zeit verweilt/ beginnt es nahe an s Stunden lang zufallen/ was die Ebbe ist/ wobei wieder ein tiefster Stand erreichtwird/ nach dessen Aufhören abermal die 6 Stunden lange Fluthbeginnt/ welche einer neuen eben so lange währenden Ebbe weicht.Die ganze Periode/ innerhalb der 2 Fluthen und 2 Ebbenstatt finden/ dauert 24 Stunden 50 Minute»/ binnen welcher Zeitder Mond wieder zu seinem Meridian zurückkömmt; 2 höchsteFluthpunkte werden daher immer um 12 St. 25 M- auseinanderliege»/ und von einer Morgenfluth oder Abendfluth zur andernwerden 24 St. so M- verfließen/ um welche Zeit jede Morgen-oder Abendfluth immer später als die nächst vorhergehende eintritt.Die Fluthen zur Zeit des Neu- oder Vollmonds steigen viel höherund heissen Springfluthen/ und die der Quadraturen/ Nip-fluthen genannt/ bleiben viel niedriger als die mittlern Fluthen.Alle Erscheinungen der Ebbe und Fluth erfolgen in ganzer Reinheitnur in großen freien Meeren. In eingeschlossenen Meere»/ in derNähe des Landes werden sie ungemein modifizirt; die Zeit desHochmeeres wird verzögert/ seine Höhe außerordentlich vermindertoder vermehrt. Von den Seen zeigen nur noch die größten Ebbeund Fluth. Manche große Seen mögen/ wie der Ontariosee/ regel-mäßige Ebbe und Fluth haben/ die nicht von den Himmelskörper»/sondern wie bei jenem von den wechselnden See- und Landwindenabhängt. Für denselben Hafen an der See find die Verhältnissezwar so beständig wie im offenen M./.aber für 2 auch naheaneinander gelegene Häfen können fie sehr ungleich sein; so trittz. B. für Dünkirchen der Hochfluthpunkt erst 12 Stunden nachder Kulmination des Mondes ein/ in St. Malo 6 St. nach der-selbe»/ am Vorgebirg d. g, H. schon nach 1/2 St. Die Zeitnach der Kulmination des Mondes/ wo das Hochmeer am Tagedes NoviluniumS für irgend einen Hafen eintritt/ nennt man dasEtablissement desselben. Von diesem Augenblicke aus werdenalle folgenden EintrittSzciten des Hochfluthpunktes für diesenMonat berechnet. Für Hamburg ist das Hafenetabliffement s St./für Amsterdam 3/ Calais tt St. 4v Ni. / Lissabon 4/ London2 St. 45 M./ Brest 3 St. 45 M./ Cadix t St. is M./ Ports-mouth tl St. 4o M- re. Die halbe Summe von 2 nächsten Hoch-fluthpunkten über dem Niveau der zwischen ihnen liegenden tiefstenEbbe heißt Totalfluth. Man findet fie für jeden Hafen ausdem Mittel vieler Beobachtungen. In Frankreichs Häfen treten