Band 
I. Band.
Seite
398
JPEG-Download
 

396 Allgemeine Naturgeschichte. IV. Buch.

losen Formationen kann durch gewisse ursprüngliche Bildungs-vorgange herbeigeführt worden sein, oder es könnenwahregeschich-tete versteinerungführende Massen (z.B. durch glühende Dämpfe)eine solche Umwandlung erlitten haben, daß zuerst nur dieorganischen Ueberreste in ihnen zerstört wurden, und nur dieSchichtung zurückblieb, endlich das Gestein selbst umgewan-delt, und den krystallinischen ähnlicher wurde, zuletzt dieSchichtung selbst verloren gieng, wie es z. B. bei der Um-wandlung des Kalks in den Dolomit erfolgte. In der Thathaben viele schon gebildete Gebirgsmaffen Veränderungen sol-cher Art erfahren, neue Bestandtheile traten dazu, anderegiengen verloren, die zurückbleibenden traten in neue Verbin-dungen, alles so, daß die Masse nicht gänzlich umgeändert,und daß ihre räumlichen Verhältnisse beibehalten wurden.Keine Fvrmationsreihe zeigt in der Mischung und Zusammen-setzung ihrer Gesteine so viel Uebergange, so viel Mannig-faltigkeit und Gesetzlosigkeit, als die geschichteten Versteine-rungslosen. — Während man bei den geschichteten Gebirgs-maffen in Rücksicht auf ihre Entstehung die unten liegendenSchichten nothwendig für die ältern, die auf ihnen liegendenfür jünger, die obersten für die jüngsten, am letzten gebilde-ten halten muß, findet weder bei den massigen Gebirgsartennoch bei den intermediären, geschichteten, Versteinerungsloseneine solche chronologische Altersfolge statt; für sie gilt nicht,Laß das unten Liegende das Aeltere sein Müsse. Die Plutoni-schen, wie die vulkanischen Gebirgsarten kommen zwischenund auf den ältesten, wie den jüngsten geschichteten Gestei-nen vor, obwohl sie zum Theil auch die älteste Grundlageder Erdfeste bilden mögen, welche vorhanden war, ehe nocheine geschichtete Formation bestand. Auf diese Weise läßt sichwohl Werner's Ansicht, daß der Granit die älteste Gebirgs-art sei, rechtfertigen; er ist die älteste, indem er die Grund-lage aller übrigen ausmacht; nicht aller Granit ist aber dieälteste Gebirgsart, da Massen von ihm häufig auf und zwi-schen sehr neue Schichten gelagert, sie überströmend und sichzwischen sie drängend gefunden werden, welche also erst nachderen Bildung hervorgetrieben sein konnten.