HAß Allgemeine Naturgeschichte. IV. Buch.
Der matten Ansicht, daß die Erde ein lebendiger Orga-nismus sei, sind wir bereits nach S. 117, 119, 190, 309bcigetreten. Es folgt nun eine nähere Entwicklung der eigen-thümlichen Vorgänge im Leben der Erde, die zum Theiledenjenigen analog sind, welche bei den sekundären Organis-men vorkommen, denen man sonst allein organischen Charak-ter zuschreiben will. — Was einmal die Verhältnisse der Erdezu andern Weltkörpern betrifft, so tritt dasjenige, in welchemsie zu ihrem Centralkörper, der Sonne steht, ungemeinüberwiegend hervor. Die Sonne wird hienach zum oberstenRegulativ des Lebens der Erde, besonders für die vom Ae-quator entlegenen Gegenden, in welchen der Wechsel derJahreszeiten sich schärfer ausspricht. Daß aber der Verkehrzwischen Erde und Luft sich wieder ganz anders gestaltenmüsse, je nachdem die erstere mit Eis und Schnee, oderüppiger Vegetation bedeckt wird, je nachdem die Atmosphäreheftig erwärmt, ausgedehnt und zu elektrischen Produkten an-geregt oder durch Wärmemangel zu krystallinischen Bildungenveranlaßt wird, — leuchtet von selbst ein. Wie durch denUmlauf um die Sonne die Phasen des Jahres gegeben wer-den, so erzeugt die (vielleicht auf Elektromagnetismus be-ruhende) Arendrehung den Wechsel zwischen Tag- und Nacht-leben, wobei nacheinander alle Punkte dem nahen glänzendenFixstern, zu dessen System die Erde gehört, bald zu baldvon ihm abgewendet werden. Wie aber im Leben eines sekundärenOrganismus keine bestimmten Abschnitte vorhanden sind, son-dern jenes als eine stätige Linie erscheint, in welcher diewunderbarsten Abwechslungen, ja scheinbar widersprechendeErscheinungen, unmerklich in einander verfließen, so auch inden Erscheinungen, welche die doppelte Bewegung der Erdezur Folge hat. Während die eine Halbkugel in Eis undSchnee erstarrt, erfreut sich die andere der belebenden Son-nenkraft mit ihren Lichtmassen, ihrer intensiven Wärme, ihrenGewittern und Meteoren; im Winter bereitet sich unmerklichder Frühling, in diesem der Sommer und wieder der Herbstvor, in der Nacht dämmert der Tag aus, und aller Wider-spruch, alle gegenseitige Ausschließen jener Erscheinungen