CbemiSimiS, organisches Leben und Intelligenz. 229
wir verschiedene Effekte hervorbringen können.) Die einzige bekannteund letzte Ursache der LebenSthötigkcit im Thiere sowohl wie in derPflanze, sagt L , i>l ein chemischer Prozeß; schließen wir ihn aus, sostellen sich die LebenSäußerungen nicht ein, oder sie hören auf. wahr-nehmbar zu sein. Wie in der geschlossenen galvanischen Säule durch ge'wisse Veränderungen, welche ein Metall bei Berührung einer Säur«erleidet, ein gewisses Etwas für unsere Sinne wahrnehmbar wird,was wir einen Strom elektrischer Materie nennen, so entstehen inFolge von Umsetzungen und Veränderungen von Materien, diefrüher Theile von Organismen waren, gewisse BewegungS- undThätigkcitsäußerungen, die wir Leben nennen. Die Physiologie,mcink Liebig, habe entscheidende Gründe dafür, daß jede Bewegung,jede Kraftäußerung die Folge einer Umsetzung der Gebilde oder derSubstanz derselben ist, und daß jeder Gedanke, jede Empfindung Ver-änderungen in der chemischen Beschaffenheit der abgesonderten Säfte,so wie in der Zusammensetzung der Gehirnsubstanz, zur Folge hat.
Man ersieht aus diesen Mittheilungen die gegenwärtigeAnsicht über das Verhältniß der Organismen zur Außenwelt,so weil es sich auf Stoffwechsel bezieht. Es darf nicht be-fremden/ wenn wir die Chemiker über ihren Standpunkt hin-ausschreiten, wenn wir sie das Leben, endlich sogar Geist undVernunft als eine Wirkung des chemischen Prozesses anschauensehen. Durch Verzehrung der Steinkohlen in Dampfmaschinenwird außer Kohlensäure, Wasser, Wärme und Bewegung „fastLeben und Intelligenz" erzeugt! Durch chemische Verände-rungen und Umsetzungen entstehen „gewisse Bewegungs- undThätigkeitsäußcrungen, die wir Leben nennen!" Wie, wennsich die Sache gerade umgekehrt verhielte? Wenn eben dasLeben das Spiel des chemischen Prozesses anregte, seinen Fort-gang sicherte? Gewiß ließe sich auch diese Ansicht vertreten,obschon sie doch keineswegs die erschöpfende ist. Man könnteihr immer entgegensetzen, daß dann an die Stelle des chemischenProzesses, eines demonstrablen Etwas, einer sinnlichen Gewiß-heit, jene qualita« occultn , von der sich viele Naturforscherunserer Zeit um jeden Preis befreien wollen, die sogenannteLebenskraft gesetzt werde, ein unbekanntes Etwas, ein unfaß-barer Proteus, eine Potenz, die weder sinnlich dargestellt, nochals Analogie irgend einer Bewegung in unserm bewußten In-nern begriffen werden kann. — Die Wahrheit ist aber diese, daß