Buch 
Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
Entstehung
Seite
46
JPEG-Download
 

46

Pendelmessungen.

sich zur Berechnung der Gestalt unserer Erde bedienthat. Unmittelbar nach ihnen vermehrte sich die Zahl sol-cher Untersuchungen wie die der Gradmessungen undselbst in noch höherem Grade. Die daraus hervorgegan-genen Resultate blieben indel’s lange Zeit hindurch äu-fserst unzuverlässig und gaben die widersprechendstenWerthe, offenbar weil die Ausführung einer ihrer Grund-lage i\ach so höchst einfachen Operation mit sehr gro-fsen Schwierigkeiten verknüpft ist, die nur durch sehrvollkommne Apparate und eine aufserordeutliche Genauig-keit im Beobachten überwunden werden können *). Eshandelt sich hier nämlich in den meisten Fällen um ge-naue Beobachtung ungemein kleiner Gröfsen, da der ganzeUnterschied in der Länge des Secundenpendels, vom Polbis zum Aequator, nicht über 0,2 englische Zoll beträgt,auch können die Eigenthümlichkeiten der Orte, wo dieVersuche gemacht werden, so wie die Nähe grofser Berg-massen, die verschiedene Beschaffenheit des Bodens u. s. w.einen sehr ansehnlichen Einflufs auf die Ergebnisse aus-üben, wofür viele Erfahrungen sprechen.

Nichts desto weniger hat man durch gesteigerte Sorg-falt bei Einrichtung der Instrumente und deren Behand-lung auch diese Hindernisse in der neuesten Zeit mitGlück überwinden gelernt, und zwar gebührt die Ehredieses Fortschrittes wieder vorzugsweise den Franzosen,welche damit vorangingen, und nächst ihnen den Eng-ländern, welche zur Erreichtung dieses Zweckes einenaufserordentliclien Aufwand von Kosten nnd Beharrlich-keit anwendeten.

Der Erste, welcher nach eigner Methode mit unbe-dingt unangefochtner Genauigkeit eine Pendellänge durchAnwendung sehr sinnreicher Apparate bestimmte, warBor da. Während Delambre und Me chain mit derMessung der Meridiangrade beschäftigt waren (in den

*) Biot, Astronomie physique, Tome III. p. 148.