256 Verschiedenheit der Lavinen.
tet worden, als von Kasthofer*), dem wir daher vor-zugsweise folgen.
Der Begriff, welchen man sich gewöhnlich von ei-ner Lavine zu machen pflegt, als sey sie eine Art vonSchneebällen, welche bei Thauwetter von den langenAbhängen der Berge herabrollen, und sich auf ihremWege dnreh Aufrollen und Anbacken des Schnees ver-gröfsern, ist in der That nicht der richtige. Solche Vor-gänge ereignen sich nach Kasthofer’s Zeugnisse in derNatur nicht. Es sind vielmehr die Lavinen Stürze gan-zer, mehr oder minder zusammenhängender Schneemas-sen,. wie sie theils zusammengeweht, theils ursprünglichgefallen, auf den Bergabhängen Vorkommen. Nach derArt ihrer Entstehung und Ausbildung werden dieselbenin 4 Hauptarten eingetheilt, welche, wie es scheint, denbei solchen Verhältnissen vorkommenden Bedingungenentsprechen, nämlich:
1) Staub-Lavinen.
2) Grund-Lavinen.
3) Rutsch-Lavinen.
4) Gletscher-Lavinen.
Die Staub-Lavinen entstehen, wenn die Mengefrisch gefallenen Schnees sehr grofs und der Abhangsteil ist, und dann die sich losreifsende Schueemassc,welche ihr Gleichgewicht verlor, theils durch ihre Lok-kerheit, theils durch ihr gewaltsames Anprallen an vor-springenden Felsmassen zerstäubt wird. Diese Lavinenpflegen sich stets nur im Winter zu bilden, wenn an-haltend und tief gefallener Schnee, wegen der Kältenicht backend, locker zusammenhängt, und auf Flächenvon Abhängen, welche nicht zu steil sind, um der Schnee-decke in grofsen Massen bei Windstille schon Halt zugeben, aber zu steil, um diesen Halt bei heftigen Wind-stöfsen zu gewähren. Wenn die so abstürzenden Schnee-_ la-
) Alpenreise, p. 290 sq.